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Piwarz: Keine verlorene Schülergeneration durch Pandemie

Christian Piwarz (CDU), Kultusminister von Sachsen, nimmt in der Sächsischen Staatskanzlei an einer Pressekonferenz teil. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Christian Piwarz (CDU), Kultusminister von Sachsen, nimmt in der Sächsischen Staatskanzlei an einer Pressekonferenz teil. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Corona hat nach Einschätzung von Kultusminister Christian Piwarz keine «verlorene Generation» von Schülerinnen und Schülern hervorgebracht. «Wer die Oberschulen und Gymnasien verließ, hatte vollwertige Abschlüsse in der Tasche», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. «Wir haben an der Qualität keine Abstriche gemacht. Wegen Corona wurde keine Prüfungsaufgabe verändert.» Eine gezielte Prüfungsvorbereitung habe bei den Abschlussklassen sogar zu einem besseren Notendurchschnitt geführt. «Wir hätten nur dann eine verlorene Generation produziert, wenn wir etwa ein Notabitur angeboten hätten. Doch das ist nicht geschehen.»

Piwarz (46) räumte ein, dass Corona im Schulsystem wie eine Bremse wirkte: «Umso wichtiger ist es, jetzt wieder Fahrt aufzunehmen. Das tun wir bereits.» Alle Kultusminister hätten dafür plädiert, die Schulen trotz der Infektionen offen zu halten. Schon seit einem Jahr gebe es keine flächendeckenden Schulschließungen mehr. «Es war nach dem Frühjahr 2021 klar, dass wir uns das nicht noch einmal erlauben können - weder mit Blick auf die Kinder und Eltern, noch auf das Schulsystem insgesamt.»

«Auch mit dem Programm 'Aufholen nach Corona' haben wir Fahrt aufgenommen. Damit sprechen wir gezielt Schülerinnen und Schüler an, die unter Corona besonders gelitten haben», sagte Piwarz und warb sogleich um Geduld. Nicht alles könne sofort funktionieren. «Wir brauchen Zeit, genau wie die Kinder Zeit brauchen. Wir können ihnen nicht auf Teufel komme raus etwas eintrichtern. Sie müssen erst wieder an das Lernen und den schulischen Alltag herangeführt werden.»

Manche Einwände selbst ernannter Experten seien in der Pandemie nicht hilfreich gewesen, betonte der Minister. Sie hätten nur immer wieder gesagt, was nicht gehe. Er habe bei Schülern und Eltern eine klare Erwartungshaltung gespürt - nämlich so viel Schule wie möglich anzubieten. «Es gab Verständnis für die Maßnahmen, aber auch Ungeduld. Störend waren eher die Versuche von außen, die den schulischen Betrieb schlechtgeredet und die Maßnahmen torpediert haben.»

Piwarz zufolge gilt es nun zu untersuchen, was die Pandemie mittel- und langfristig mit dem Schulsystem macht. «Wir stellen uns die Frage, wie wir uns auf so etwas besser einstellen können. Wie können unsere Erkenntnisse das Bildungswesen über die Pandemie hinaus beflügeln? Dieser Prozess ist in vollem Gange.» Die Digitalisierung habe Möglichkeiten offenbart. «Wir haben aber auch festgestellt, wie wichtig Präsenzunterricht ist.» Nun gehe es darum, außerschulisches Lernen und Unterricht in der Schule zu kombinieren.

«Wir müssen den nächsten Schritt gehen und die Vorteile digitaler Lernmethoden besser nutzen», sagte Piwarz. Als Beispiel nannte er intelligente tutorielle Systeme - Systeme, die Schüler bei ihrem Lernen differenziert nach Lerngeschwindigkeit begleiten können. Lehrer bekämen so Kenntnisse von den Lernfortschritten.

Mit den Pandemie-Erfahrungen werde sich auch die Diskussion um das «Bildungsland Sachsen 2030» beleben, erläuterte Piwarz. Das betreffe nicht nur die Lehrpläne, sondern auch schulische Abläufe und moderne Formen der Wissensvermittlung. «Bis Ende 2022 wollen wir mit dem Landesbildungsrat und anderen Partnern diskutieren, im kommenden Jahr werden wir dann die Öffentlichkeit einbeziehen. Bis zum Ende der Legislaturperiode 2024 soll das abgeschlossen sein.»

Piwarz warnte davor, alles nur auf die Entschlackung der Lehrpläne zu reduzieren. «Das wäre zu billig, das allein bringt es nicht. Die Lehrpläne sind schon viel entschlackter, als viele meinen.» Schon heute würden sie den Lehrern viele Möglichkeiten bieten, Prioritäten zu setzen und Stoff zu vertiefen. «Reduzierte Lehrpläne machen das Bildungssystem nicht automatisch besser. Es geht mehr darum, auf den einzelne Schüler einzugehen und spezielle Angebote zu unterbreiten.»

Abschließend äußerte sich der Minister zu Forderungen aus den Reihen der Koalitionspartner nach einer umfassenden Bildungsreform: «Wir tun gut daran, das Bildungssystem evolutionär weiterzuentwickeln und nicht mit einer Revolution ein völlig neues System zu etablieren. Das ist Common Sense. Dass Schule nach Corona nicht so weiterlaufen kann wie vor Corona, ist wohl allen Beteiligten klar.»

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