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DGB zieht Bilanz: Sachsen braucht mehr attraktive Jobs

Unter Führung von CDU und FDP hat Sachsen einst als Billiglohnland für sich geworben. In Zeiten von Fachkräftemangel hat sich die Lage geändert, meint der Gewerkschaftsbund.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen sieht die Landesregierung in der Pflicht, sich stärker für attraktive Arbeitsplätze einzusetzen. Das Kabinett müsse mit Schwung ins neue Jahr gehen und wichtige Gesetzesvorhaben des Koalitionsvertrages mit mehr Tempo umsetzen, sagte DGB-Chef Markus Schlimbach der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gehöre die Modernisierung des Vergabegesetzes, die Umsetzung der Gesetze zur Gleichstellung und Beamtenbesoldung sowie die Weiterentwicklung des Personalvertretungsgesetzes. Auch der Prüfauftrag für ein Bildungsfreistellungsgesetz müsse schleunigst angegangen werden. Sollte ein solches Gesetz nicht vorgelegt werden, plane der DGB im Herbst 2023 mit Partnern einen Volksantrag für einen gesetzlichen Anspruch auf jährlich fünf Tage Bildungszeit.

Schlimbach zog auch eine Bilanz des zu Ende gehenden Jahres. Es werde als Jahr in die sächsische Wirtschaftsgeschichte eingehen, «in dem der Arbeitsmarkt endgültig zu einem Beschäftigtenmarkt gekippt ist»: «Der Fachkräftemangel ist überall spürbar. Ausnahmslos jede Branche klagt über fehlende Arbeits- und Fachkräfte. Die Wechselbereitschaft von Beschäftigten wächst. Wenn die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen nicht stimmen, dann wird der Betrieb gewechselt.» Gerade unter jungen Menschen sei die Bindung an ein Unternehmen deutlich gesunken, die Qualität der Beschäftigung spiele zunehmend eine Rolle.

Arbeitgeber und Branchenverbände müssten endlich reagieren, um Fachkräfte zu halten und auch in Zukunft genügend qualifiziertes Personal zu haben, betonte Schlimbach. Zunehmend werde die Tarifbindung zu einem entscheidenden Kriterium für die Beschäftigten, da sehe es bei vielen Unternehmen in Sachsen «düster» aus: «Wer heute noch mit Kopfprämien für neueingestellte Arbeitskräfte für extrem ungleiche Entlohnungsbedingungen im Betrieb sorgt, wird im Wettbewerb um gute Arbeitskräfte das Nachsehen haben. Faire und transparente Entlohnungsbedingungen über einen Tarifvertrag sind ein Wettbewerbsvorteil für tarifgebundene Unternehmen. Das ist bei vielen Arbeitgebern noch nicht angekommen.»

Hinzu kämen weitere Faktoren wie Flexibilität bei den Arbeitszeiten, Möglichkeiten für Homeoffice und Maßnahmen gegen die Überforderung von Beschäftigten durch Verdichtung von Arbeit. «Ein Tischkicker und eine Obstschale zur freien Verfügung sind längst nicht mehr Ausweis von guten Arbeitsbedingungen. Tariflöhne, Mitbestimmung, gute Weiterbildungsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wichtiger», sagte Schlimbach.

In zahlreichen Branchen stünden 2023 Tarifauseinandersetzungen an, sagte Schlimbach. «Ob in der Ernährungsindustrie, bei der Deutschen Post, im Öffentlichen Dienst oder bei der Deutschen Bahn - angesichts der Preissteigerungen erwarten die Beschäftigten zu Recht deutliche Lohnsteigerungen und dafür werden sie kämpfen.»

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