Die Stadt Dresden setzt bei der Erinnerung an Opfer der NS-Diktatur auch weiterhin auf die markanten Stolpersteine. Am Freitagvormittag begann im Stadtteil Laubegast eine ganze Serie von Zeremonien, bei denen tagsüber an verschiedenen Orten im Stadtgebiet 37 der mit einer Messingkappe versehenen, quadratischen Steine in den Boden eingelassen werden. Vor dem Volkshaus in Laubegast wird an zwölf Mitglieder der Sinti-Familie Blum erinnert. Sie hatten einst ein Marionetten-Theater betrieben, wurden von den Nazis zuerst mit Berufsverbot belegt, dann zu Zwangsarbeit gezwungen und deportiert. Zwei Jungen überlebten nicht und kamen in Auschwitz ums Leben.
Zur Verlegung der Steine in Laubegast waren rund 50 Menschen gekommen. Viele von ihnen hatten weiße Rosen mitgebracht. Claus Dethleff, Chef des Vereins Stolpersteine für Dresden, verlas die Geschichte der Familie. Ihr in Dresden geborener Sohn Willy hatte seinen elfjährigen Bruder Rudolf 1944 im Konzentrationslager Buchenwald nicht allein lassen wollen und meldete sich freiwillig für die Liste derjenigen, die nach Auschwitz sollten. «Dadurch wurde Stefan Jerzey Zweig - ein dreijähriger Junge, der eigentlich auf der Liste stand - das Leben gerettet. Die Geschichte dieses Jungen wurde durch den Roman 'Nackt unter Wölfen' von Bruno Apitz berühmt.»