Der Corona-Krise zum Trotz ist die Zahl überschuldeter Verbraucher in Sachsen zurückgegangen. Nach einer Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sank sie dieses Jahr um rund 6000 auf etwa 330 000. Mit einer Überschuldungsquote von 9,66 Prozent (2019: 9,81 Prozent) liegt der Freistaat im Vergleich der Bundesländer auf Platz 5 hinter Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Brandenburg, wie aus dem neuen «Schuldneratlas» hervorgeht. Dabei liegt Sachsen im Bundestrend. Laut Creditreform ging in allen Bundesländern außer dem Saarland die Überschuldungsquote, also der Anteil überschuldeter Personen im Verhältnis zu allen Erwachsenen, zurück. Bundesweit sank sie auf 9,87 Prozent.
Die Fachleute rechnen allerdings wegen der Pandemie für die nächsten Jahre mit einer deutlichen Verschlechterung der Situation. «Die langfristigen Perspektiven für die Überschuldungsentwicklung sind besorgniserregend», warnte der Creditreform-Experte Patrik-Ludwig Hantzsch am Dienstag.
Kurzarbeit und wachsende Arbeitslosenzahlen führten momentan dazu, dass viele Verbraucher in Deutschland weniger Geld zur Verfügung hätten, berichtete die Wirtschaftsauskunftei. Rund 700 000 Menschen hätten zwischenzeitlich den Arbeitsplatz verloren, Millionen seien in Kurzarbeit und viele Freiberufler kämpften um ihre Existenz. Dies werde «zeitlich versetzt zu einem Anstieg der Überschuldungsfälle führen», warnte Hantzsch. Die Folgewirkungen der Pandemie würden gravierender sein als die Weltfinanzkrise 2008 und 2009.