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Vorräte-Finanzierung: Gasversorger sieht Politik in Pflicht

Erdgas steht über einer Tankstelle für Erdgasfahrzeuge. / Foto: Patrick Pleul/dpa/Symbolbild
Erdgas steht über einer Tankstelle für Erdgasfahrzeuge. / Foto: Patrick Pleul/dpa/Symbolbild

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass Deutschland unabhängig von russischem Erdgas und Erdöl wird. Doch das ist nicht über Nacht möglich - gerade nicht beim Gas.

Die Mitgas Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH sieht bei der gesetzlich vorgeschriebenen Füllmenge von Speichern auch die Politik in der Pflicht. Das von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorangetriebene Gesetz sei vernünftig, sagte Geschäftsführer Andreas Auerbach der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn wir die Speicher aber zu den gegenwärtig hohen Preisen füllen, kostet das sehr viel Geld.» Das Befüllen der Speicher müsse vorfinanziert werden. Man könne das Preisrisiko nicht den Versorgern allein überlassen.

Die Mitgas mit Sitz in Kabelsketal (Sachsen-Anhalt) etwa habe vorausschauend einen Kavernenspeicher in Staßfurt mit einem Volumen von 1,8 Millionen Terrawattstunden angemietet. «Wenn wir den zu einem Preis wie aktuell von 100 Euro pro Megawattstunde füllen, kostet das 180 Millionen Euro. Das ist ein Vielfaches unseres Jahresergebnisses.» Zwar komme beim Verkauf des Gases Geld wieder herein, aber niemand könne eine verlässliche Prognose über die Preisgestaltung abgeben. Mitgas mit Kunden in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hatte in der Vorwoche eine Erhöhung des Erdgaspreises um 4,25 Cent auf 13,32 Cent pro Kilowattstunde angekündigt.

Mit Blick auf die Debatte um einen möglichen Lieferstopp von russischem Gas sagte Auerbach: «Wir brauchen russisches Erdgas, um die Speicher zu füllen. Das gilt mindestens für die nächsten beiden Winter, schlimmstenfalls noch für einen dritten.» Wenn über Nacht der Hahn abgedreht werde, könnten die Speicher nicht vollständig gefüllt werden. «Und wenn es dann richtig kalt wird, gelangen wir in eine Situation, die wir Gasmangellage nennen». Dann müsste man Verbraucher abschalten, das werde zuerst die Industrie treffen.

«Dann entscheidet die Bundesnetzagentur, welche Industrien nicht mehr beliefert werden können. Das wird schmerzhaft sein. Der Schaden für die deutsche Volkswirtschaft ist gar nicht abzusehen», sagte Auerbach. Es gebe auch Produktionsanlagen, die man nicht sofort abschalten könne. Als Beispiel nannte der Mitgas-Chef Stahlwerke, Glashersteller und die chemische Industrie. Aber auch die privaten Haushalte müssten sich in Zukunft auf weitere Preissteigerungen einstellen.

Auerbach zufolge ist eine genaue Prognose zur künftigen Gasversorgung schwer. Noch könne man nicht sagen, ob es zu einer Energiekrise wie in den 1970er Jahren komme. Die Branche rechne aber mit einer Mangellage, sollte Russland seine Lieferungen einstellen.

Der Preisanstieg habe schon lange vor dem Ukraine-Krieg begonnen, Auerbach zufolge gab es weltweit eine höhere Nachfrage nach Energie. Auch die lange Diskussion um die Inbetriebnahme der Pipeline Nordstream 2 habe die Lage verschärft. Schon vor dem letzten Winter habe es einen niedrigen Füllstand in Speichern gegeben.

Nach Ansicht von Auerbach ist es zwar richtig, auch einheimische Gasreserven besser zu auszunutzen. An der grundlegenden Situation ändere das aber nichts. «Der Anteil von heimischem Gas am deutschen Energieverbrauch beträgt fünf Prozent. Zudem gehen mehrere Jahre ins Land, bis man eine Lagerstätte nutzen kann.» Das werde den aktuellen Anteil russischen Gases am Verbrauch nicht ersetzen können.

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