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Umbau soll Wälder sicherer gegen Stürme und Brände machen

Buchen ragen in die Höhe. / Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild
Buchen ragen in die Höhe. / Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Waldumbau als Zaubermittel gegen Waldbrand und andere Gefahren? So einfach ist das laut Experten nicht. Es ist ein langwieriger Kampf gegen das Beharrungsvermögen der Natur und das sich rasch wandelnde Klima.

Mit einem umfangreichen und langfristigem Umbau sollen Sachsens Wälder sicherer gegen Stürme und Brände gemacht werden. «Wenn es keinen Klimawandel gäbe, hätten wir einen Großteil des Waldumbaus bereits geschafft», sagte Sven Martens,
Referatsleiter Forsteinrichtung im Staatsbetrieb Sachsenforst in Pirna. Derzeit würden aber Szenarien immer wahrscheinlicher, die weit jenseits der zwei Grad Erwärmung lägen. «Dann rücken die heute angebauten Buchen bereits innerhalb der neu gepflanzten Waldgeneration wieder aus dem standörtlichen Optimum heraus.»

Der Waldumbau ist auf eine Erhöhung der Anteile von Laubbaumarten ausgerichtet. Damit ist zugleich eine Verringerung des Brandrisikos gegeben. Gegenüber der Ausgangssituation vor 1990 ist in Wäldern wie der Dahlener Heide oder Teilen der Dübener Heide das von den Baumarten ausgehende Brandrisiko heute schon weitaus geringer.
Hier ist der Waldumbau weit fortgeschritten. «Auch weil wir in den letzten drei Jahrzehnten spürbaren Rückenwind durch die Natur bekommen haben. Die Erwärmung lässt Eichen und Buchen häufiger blühen. Ihre Naturverjüngung trägt dort, wo die Wilddichte ein Aufwachsen zulässt, erheblich zum Waldumbau bei», erläuterte Martens.

Weil es viele Vorteile mit sich bringt, wachsen die im Waldumbau angebauten Buchen, Weiß-Tannen, Eichen und anderen Laub- und Nadelbaumarten in der Regel unter dem Kronendach der Altbestände.
Aus diesem Grund wird der Generationswechsel von den Fichten- und Kiefernbeständen, der seit 1990 verstärkt eingeleitet wurde, in den sächsischen Wäldern erst mit dem Verlust der Fichten und Kiefern durch den Borkenkäfer sichtbar.

Die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre zeige, dass es vor allem «stresstolerante» Baumarten, wie die Eichenarten, braucht. «Viele Baumarten, die mit Trockenheit zurechtkommen, etwa Elsbeeren, Mehlbeeren, Eiben, Feldahorn, Wildbirnen wachsen längst nicht überall zu stattlichen Bäumen heran», erklärte der Waldexperte. Fraglich ist, ob wir zukünftig den gegebenen Holzbedarf überhaupt decken können. Denn dafür müssen die Baumarten bei geringerem Wasserangebot genauso produktiv sein wie die bisherigen Nadelbäume.

Ein gutes Beispiel ist die aus Nordamerika stammende Rot-Eiche. Sie besitzt laut Waldexperte gegenüber Buche und Eiche eine deutlich höhere Wassernutzungseffizienz. «Ihr Laubdach bildet schattige und dunkle Bestände, die keine Bodenvegetation ermöglicht. Eine Waldstruktur, die mit unseren Buchenwäldern vergleichbar und ideal für den Brandschutz ist», betonte Martens. Die Rot-Eiche könne dies auch auf trockenen Sandböden und sei deshalb die erste Wahl für Waldbrandriegel.

Letztendlich funktioniert der Umbau der Wälder nur innerhalb der Grenzen, die die Biologie der Baumarten, Klima und Boden vorgeben.
«Die Evolution, also der Wettbewerb der Baumarten untereinander, führte zu etwas, was man evolutionäre Strategie der Baumarten nennt.
Kiefern setzen hier auf das Feuer als Verbündeten», sagte Martens. Die Zapfen platzten erst bei Hitze auf und nach einem Brand herrschen ideale Keimbedingungen: Kein Gras, kaliumreiche Holzasche, viel Licht am Boden. «Aus Sicht der Kiefer macht Feuer also Sinn, um im Wettbewerb zu anderen Arten die Nase vorn zu haben.»

Der Waldumbau ist laut Martens aber nicht generell ein Brandminderer oder Brandverhinderer. Der Wechsel der Baumart leiste nur einen Beitrag zur Senkung des Risikos. «Am Ende werden wir, in Folge wiederholter Dürren, einem steigenden Brandrisiko mit ausgewogenen und weitreichenderen Strategien begegnen müssen. Vielleicht ganz so, wie es im Mittelmeerraum oder im westlichen Nordamerika, wo Brände zur Natur gehören, der Fall ist.»

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