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Nachhaltigkeit in Unternehmen - was heißt das eigentlich?

M.Bitetto, unsplash
M.Bitetto, unsplash

Wie können nachhaltige Unternehmen aussehen? Hier erklären wir, was nachhaltige Unternehmen ausmacht und welche Blickwinkel und Beispiele es dazu gibt.

Nachhaltigkeit ist keine Modeerscheinung, sondern inzwischen zentrale Herausforderung für Gesellschaft und Wirtschaft. Mitgedacht werden müssen dabei natürlich auch private Unternehmen, öffentliche Organisationen, KMU, Großunternehmen und Konzerne.

Aber was sind überhaupt nachhaltige Unternehmen?
Damit beschäftigen wir, das Team von plant values, uns im folgenden Beitrag.
(Dies ist ein Auszug aus unserem Fachbeitrag über nachhaltige Unternehmen aus unseren Blog für Nachhaltigkeit und CSR.)

Ein Näherungsversuch: Was sind nachhaltige Unternehmen?

Durch die Komplexität des Themas Nachhaltigkeit fällt es schwer, das greifbar zu  machen. Bisher gibt es keine Definition dafür, auch wenn es auf EU-Ebene Bestrebungen hierzu gibt. Womöglich kann es aber auch keine einheitliche Definition geben, weil sich Unternehmen und deren Nachhaltigkeitsleistung je nach Größe, Branche, Lieferkette aber eben auch der moralischen Wertung der Betrachtenden stark unterscheiden.

Bevor wir diskutieren, ob Unternehmen nachhaltig sind, lohnt es sich zu fragen, was Nachhaltigkeit ist und ob Unternehmen nachhaltig sein können.
(Man darf diese Sichtweise durchaus diskutieren und sie bietet auch nur einen Blick auf die Frage. Aber eben eine Sichtweise, die es aus unserer Sicht lohnt einmal einzunehmen.)

Eine einfache Erklärung für Nachhaltigkeit, der wir folgen wollen, ist:

Nachhaltigkeit ist das Handlungsprinzip der Ressourcenneutralität. Dabei werden Ressourcen nur so weit verbraucht, wie sie wieder regeneriert werden können.

Ressourcen sind sowohl materielle (Stahl, Holz, Wasser, etc.), als auch menschliche (Arbeitskraft, Motivation, Gesundheit, etc.) und gesellschaftliche (Vertrauen, Unterstützung, Rechte, etc.).

Es entsteht die Frage, ob Unternehmen ressourcenneutral handeln können?

Beispielhaft können wir fragen: 

  • Kann ein Textilunternehmen nur so viel Baumwolle verarbeiten, wie nachwachsen kann?
  • Kann ein Automobilhersteller seine Lieferkette so aufstellen, dass Menschen nirgends mehr arbeiten müssen als gut und gesund für sie wäre?
  • Können Elektronikproduzenten so herstellen, dass nicht mehr Abfall und Giftstoffe in die Umwelt gelangen, wie wieder abgebaut werden können?
  • Kann eine Landwirtin so anbauen, dass dem Boden keine Nährstoffe entzogen, sondern sie vielleicht sogar aufgefüllt werden?

Theoretisch können Unternehmen ressourcenneutral handeln. Für den letzten Fall gibt es Ansätze und Vorzeigeunternehmen, die es schaffen ihre wertvollste Ressource Boden zu regenerieren. Für die anderen Fälle scheint noch kein Unternehmen eine ganzheitliche und faire Lösung gefunden zu haben.

Ein Vorreiterunternehmen für Nachhaltigkeit ist das Beispiel Patagonia. Patagonia stellt Kleidung und Ausrüstung für Outdoor-Aktivitäten her. Seit vielen Jahren legen sie ihre Entwicklung konsequent auf Nachhaltigkeit aus. Und trotzdem sagt Patagonia von sich selbst, dass sie nicht nachhaltig sind. Sie sagen, solange sie Schaden an der Umwelt anrichten, könnten sie sich nicht nachhaltig nennen.

Es scheint also, dass es schwer fällt von einem Unternehmen sagen zu können, dass es ressourcenneutral und damit nachhaltig sei. Die Einschätzung ist zudem schwer, weil Lieferketten global und vernetzt sind. Welches Unternehmen verbraucht darin wie viele Ressourcen? Und wie viel Ressourcen können sich anteilig für dieses Unternehmen regenerieren?

Andere Interpretationen von "nachhaltige Unternehmen"

Es gibt darüber hinaus weitere Interpretationen davon, was nachhaltige Unternehmen seien. Hier sind drei davon noch einmal erklärt.

Best in class

Beim best in class Ansatz sind solche Unternehmen nachhaltig, die bezüglich Nachhaltigkeitsaspekten die besten in ihrer Branche sind. Das erlaubt noch keine Aussage über die absolute Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens. Es ist eine relative Aussage im Vergleich mit anderen. Das bedeutet auch, dass Unternehmen einer „nicht nachhaltigen“ Branche hier "nachhaltig" sein können. Auch Unternehmen der Rüstungsindustrie oder Mineralölindustrie können so als nachhaltig bezeichnet werden.

„Alternative“ Unternehmen

Oft werden Unternehmen auch als nachhaltig bezeichnet, wenn sie im Vergleich zu bestehenden, konventionellen Unternehmen neue Ansätze oder Geschäftsmodelle umsetzen, die Nachhaltigkeit fördern. Dabei wird leider oft von progressiven und guten Teilaspekten des Unternehmens darauf geschlossen, dass es insgesamt nachhaltig sei.
Als Beispiel für alternative Unternehmen darf „einhorn“ dienen. Sie zeigen eine extrem moderne Organisationsstruktur und ihre Philosophie verankert die Herstellung möglichst nachhaltiger Produkte. Deshalb nennen Quellen einhorn oft als nachhaltiges Unternehmen.

Hersteller von „nachhaltigen Produkten“

Zu häufig wird die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens auch nur auf seine Produkte bezogen. Dabei kann es sein, dass das Unternehmen auch andere „nicht nachhaltige“ Produkte herstellt oder im sonstigen Betrieb nicht nachhaltig agiert.

Externalisierte Kosten

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich durch externalisierte Kosten. Das bedeutet, dass ein Unternehmen nicht alle Kosten trägt, die es verursacht. Wenn eine Fabrik Flusswasser zur Kühlung nutzt, sich der Fluss dadurch erwärmt und nun weniger Fische darin gedeihen. Dann nehmen die Fischer flussabwärts weniger ein. Ihre Verluste sind Kosten, die sie anderweitig ausgleichen müssen, ohne dass die Fabrik dafür aufkommen muss.

Ein anderes bekanntes Beispiel sind Medikamente, die von Menschen eingenommen werden und die verstoffwechselten Produkte über die Toilette in die Kanalisation gelangen. Um das Wasser zu reinigen sind aufwändige Klärverfahren im Einsatz. Für die Kosten kommen alle Bürger*innen gemeinsam auf. Das Medizinunternehmen verursacht durch das Produkt also Kosten, die es nicht tragen muss.

Diese externalisierten Kosten treten bei fast allen Produkten auf. Sie führen dazu, dass sich umweltschädliche und gesellschaftsschädliche Produktionsweisen und Folgen nicht im Preis der Produkte niederschlagen. Da Unternehmen in einer Marktwirtschaft aber im Wettbewerb stehen, findet so eine Verzerrung des Marktes statt. Wenn Unternehmen also besonders nachhaltig wirtschaften wollen, fällt es häufig schwer sich am Markt gegen Wettbewerber durchzusetzen, die günstiger sind, weil sie Kosten durch Schäden an Umwelt und Gesellschaft auslagern. Es stellt sich die Frage, ob nachhaltige Unternehmen im bestehenden System überhaupt erfolgreich sein können.

Ein Unternehmen kann zur nachhaltigen Entwicklung beitragen

Wir können also nicht eindeutig beantworten, ob ein Unternehmen nachhaltig ist. Aber wir können sagen, dass Unternehmen eindeutig zur Nachhaltigen Entwicklung beitragen. Dabei kommt Unternehmen eine besondere Bedeutung zu, denn diese können Treiber oder Bremser einer solchen Entwicklung sein. Auch fällt Unternehmen die Rolle zu, dass sich bei Ihnen Handlungen, Macht und Einfluss konzentrieren - sie als durch Strukturen, Prozesse, Recht und Pflichten größeren Einfluss auf die Gesellschaft haben als eine einzelne Privatperson. Mit dieser Machtkonzentration geht Gestaltungsfähigkeit einher. 

Was muss ein Unternehmen tun, um ein nachhaltiges Unternehmen zu werden?

Als Grundlage wollen wir davon ausgehen, dass "nachhaltige Unternehmen" solche sind, die

A) versuchen sich der Ressourcenneutralität zu nähern

B) zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Nimmt ein Unternehmen sich dieser Ziele an, helfen bei der Umsetzung meist folgende Eckpunkte:

  • Nachhaltigkeit ganzheitlich verstehen und ehrlich alle Ressourcen betrachten. Zu oft betrachtet man nur die Ressourcen, die die einfachen Verbesserungen ermöglichen.
  • Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen und auch im Kerngeschäft umsetzen.
  • Mit den Stakeholdern kommunizieren, um wirklich herauszufinden, welche Auswirkungen das eigene Wirtschaften auf andere hat.
  • Sich ambitionierte Ziele setzen. Für eine nachhaltige Entwicklung reicht es nicht weniger Schaden anzurichten. Wir müssen aktiv regenerieren. Das zeigen uns die Aussagen der Planetary Boundaries und des Earth Overshoot Days.
  • Transparent über die eigenen Fortschritte, offenen Baustellen und Ziele kommunizieren. Nur so kann eine Gesellschaft entschieden, was nachhaltige Unternehmen sind.

Diese Punkte bilden nur den großen Rahmen für nachhaltige Unternehmen. Die konkreten Maßnahmen muss ein Unternehmen individuell für sich ableiten, da - wie eingangs geschrieben - Unternehmen sehr unterschiedliche ausgeprägt sind.

(Konkrete Hilfestellung gibt dazu unser umfassender Leitfaden zur Erstellung einer Nachhaltigkeitsstrategie.)

Wie kann man ein nachhaltiges Unternehmen werden?

Unternehmen, die sich auf den Weg machen wollen, haben heute so viel Orientierung wie nie. Nachhaltige Unternehmen, bzw. solche auf dem Weg dorthin, gibt es bereits in vielen Branchen und sie sind Best Practices und Vorbilder.

Für alle Unternehmen sind wahrscheinlich die 4 folgenden Dimensionen entscheidend, um Nachhaltigkeit effektiv zu verankern und umzusetzen:

  • Wesentlichkeit erkennen
    Unternehmen sollten herausfinden, wo sie wirklich große Auswirkungen haben und wo nicht. Das bedeutet analytisch die wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekte herauszuarbeiten. 
  • Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln 
  • Für eine klare Orientierung und eine dauerhafte Verankerung im Unternehmen braucht es eine Nachhaltigkeitsstrategie. 
  • Kompetenz für Nachhaltigkeit aufbauen
    Nachhaltigkeit strategisch zu verankern und erfolgreich umzusetzen, ist eine Business-Kompetenz, wie zum Beispiel die Chefin von Vaude Antje von Dewitz betont. Die Mitarbeitenden müssen also auch befähigt werden Nachhaltigkeit zu verstehen und auszuführen.
  • Unternehmenskultur für Nachhaltigkeit etablieren
    Letztendlich sind Unternehmen die Summe der dort arbeitenden Menschen. Erst wenn Nachhaltigkeit Teil der Gespräche, der persönlichen Ziele, der alltäglichen Arbeit und der Vision werden, kann es dauerhaft gelebt werden.

Der gesamte Fachbeitrag kann hier nachgelesen werden: www.plant-values.de/was-macht-nachhaltige-unternehmen-aus/

Unterstützt von:

Factum Immobilien AG