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Friseur-Branche von Corona-Pandemie genesen

Ein Schild mit der Aufschrift „Friseur“ hängt über dem Eingang zu einem Friseursalon. / Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
Ein Schild mit der Aufschrift „Friseur“ hängt über dem Eingang zu einem Friseursalon. / Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Friseur-Branche ist gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Doch machen ihr gestiegene Lohnkosten, explodierende Energiepreise und Inflation zu schaffen.

Waschen, schneiden, trocknen: Die Friseur-Betriebe in Sachsen sind gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Ein Firmensterben hat es nicht gegeben, sagte der Obermeister der Friseur- und Kosmetik-Innung Dresden, Robert Klügel, bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Prinzipiell hat sich die Branche von der Corona-Krise erholt. Aber ältere Kollegen, die keinen Nachfolger finden, geben ihre Geschäfte eventuell eher auf als geplant.»

Dennoch gibt es dem Statistischen Landesamtes in Kamenz zufolge in Sachsen schon seit Jahren immer weniger Friseur-Betriebe. Demnach ist deren Zahl einer Handwerkszählung zufolge von 2813 im Jahr 2017 auf 2750 drei Jahre später zurückgegangen. Für 2021 lagen noch keine Zahlen vor. Die Zahl der Mitarbeiter schwand im gleichen Zeitraum von 12.906 auf 12.378.

Die Präsidentin des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, Manuela Härtelt-Dören, sieht die Friseurbranche in «einer existenziellen Krise». «Die Belastungen der Corona-Pandemie, gestiegene Lohnkosten und eine schwierige Ausbildungssituation setzen den Betrieben ebenso weiter zu wie die Inflation mit ausufernden Energiepreisen», sagte sie unlängst laut einer Mitteilung.

Als «Stunde der Wahrheit» für die Branche sieht der Innungsobermeister der Friseur- und Kosmetik-Innung Chemnitz-Mittelsachsen-Zwickau, Jörn Lüdecke, die ersten Wochen und Monate des nächsten Jahres. Aktuell sei kein Firmensterben zu beobachten, bestätigte er. Zumal während der Weihnachtszeit seien die Termine gut gebucht. «Zu Weihnachten erwirtschaften die Betriebe den größten Teil des Jahresumsatzes.» Doch wenn nach dem Jahreswechsel möglicherweise viele Menschen ihre Energierechnung im Briefkasten fänden, werde sich entscheiden, ob sie an ihren Friseurbesuchen sparen werden und sich nicht mehr so oft die Haare machen lassen.

Sorgen bereitet Lüdecke zudem die Kostenexplosion etwa durch Energiepreise oder auch den gestiegenen Mindestlohn. «Das verschiebt das gesamte Lohngefüge. Die Angestellten verdienen zwar meist mehr als Mindestlohn. Weil der aber gestiegen sei, müssten jetzt auch deren Gehälter angehoben werden.» Einige Betriebe seien dazu übergegangen, einen zusätzlichen Tag wöchentlich zu schließen, etwa um Energiekosten zu sparen. Weil viele der zumeist weiblichen Mitarbeiter in Teilzeit tätig seien, sei das auch problemlos möglich. Wegen der steigenden Kosten für die Ausbildung gebe es zudem immer weniger Betriebe, die noch Azubis zur Friseuren ausbilden wollten.

Laut der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz arbeiten zwei Drittel aller Beschäftigten in der Branche in Teilzeit. Der Friseur ist demnach zu 94 Prozent ein Frauenberuf. Fachkräfte in Vollzeit in Sachsen verdienten laut der Regionaldirektion 2021 im Schnitt 1589 Euro monatlich.

Laut der Handwerkskammer Chemnitz, gehört Friseur zwar zu den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen. Dennoch: «Die Ausbildungssituation ist absolut schwierig», bestätigte der Dresdner Innungsobermeister Klügel. Wegen der demografischen Entwicklung stünden weniger junge Menschen zur Verfügung. «Es bilden aber auch immer weniger Unternehmer aus, weil sie es sich gar nicht leisten können. Nach Corona ist jeder bestrebt, Kunden zu bedienen, um Geld zu verdienen.» Das werde der Branche in einigen Jahren auf die Füße fallen.

Laut Arbeitsagentur waren im März 536 Azubis gemeldet. Zwischen 2017 und 2021 sei die Zahl der Azubis von 770 auf 620 gesunken.

Zentralverbandspräsidentin Manuela Härtelt-Dören plädiert für eine zeitlich begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent für Friseurdienstleistungen. Das sei jetzt nötig, um die konsumnahe Friseurbranche zu entlasten. Nur so könne die Existenz vieler Friseurbetriebe und der Verlust von tausenden Arbeits- und Ausbildungsplätzen verhindert werden.

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