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Braunkohlekraftwerk Deuben nach 85 Jahren vom Netz

Qualm quillt aus dem Schornstein des Kraftwerks Deuben. / Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Qualm quillt aus dem Schornstein des Kraftwerks Deuben. / Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Der Strukturwandel in der Braunkohle nimmt weiter Gestalt an. Abschied und Neuanfang sind eng beieinander. Auch für die Beschäftigten.

Das Braunkohlekraftwerk Deuben ist seit diesem Dienstag vom Netz. Damit ist eines der ältesten deutschen Braunkohlekraftwerke nun außer Betrieb, wie die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Mibrag/Zeitz) mitteilte. Es ende die 85-jährige Geschichte des Standortes, wozu das Kraftwerk, eine Brikett- sowie Staubfabrik gehörten. Der Vorsitzende der Mibrag-Geschäftsführung, Armin Eichholz, dankte den Beschäftigten, die teils Jahrzehnte in Deuben tätig waren. Sie hätten viele Veränderungen vollzogen und so manche Klippen gemeistert. «Dabei war auf Sie immer Verlass», sagte er.

Die Mibrag arbeite mit Hochdruck an der Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Dazu zählten die Bereiche Recycling, erneuerbare Energien, Wasserstoff und Bio-Brennstoffe. Ziel sei es, das Unternehmen bis zum Ende der Kohleverstromung vollständig zu transformieren.

Der 2020 in Deutschland beschlossene Ausstieg aus der Kohleverstromung und wirtschaftliche Gründe führten den Angaben nach dazu, dass sich die Mibrag mit dem Kraftwerk Deuben am Auktionsverfahren für die vorzeitige Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten beteiligte. Mit dem Zuschlag der Bundesnetzagentur wurde der Weg für eine sozialverträgliche Außerbetriebnahme des Kraftwerks frei.

Während ältere Beschäftigte über sozialverträgliche Regelungen das Unternehmen verlassen, beginne für jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an anderen Standorten der Mibrag eine neue Arbeit. Zuletzt arbeiteten in Deuben 135 Beschäftigte von ehemals bis zu 2000. Das Braunkohlekraftwerk lieferte Strom für die Mibrag-Tagebaue in Profen (Sachsen-Anhalt) und Vereinigtes Schleenhain (Sachsen).

Im nahen Wählitz betreibt die Mibrag ein weiteres Industriekraftwerk, das nun die Stromversorgung für Anlagen der Tagebaue übernehmen soll. Mit mehr als 1500 Beschäftigten zählt die Mibrag zu den größten Arbeitgebern im Süden Sachsen-Anhalts. Tausende Arbeitsplätze hängen im Mitteldeutschen Revier von der Braunkohle ab.

Deuben galt vor allem vor 1990 als eine der größten Dreckschleudern in Ostdeutschland. In der langen Geschichte des Kraftwerks kam es zu Unglücken mit Todesopfern. Umweltschützer, wie Mitte der 1990er Jahre Aktivisten von Greenpeace, forderten mit Aktionen die Abschaltung des Kraftwerkskomplexes mit Brikett- und Staubfabrik. Nach einem Beschluss der vormaligen Bundesregierung sollten spätestens bis 2038 alle Braunkohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Die neue Ampel-Koalition avisiert einen Kohleausstieg bis 2030.

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