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Erste positive Bilanz nach Warntag in Sachsen

Ein Smartphone zeigt eine Probewarnung an. / Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Ein Smartphone zeigt eine Probewarnung an. / Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Einige Stunden nach Prüfung der Warnsysteme haben Sachsens Regierung sowie Leitstellen eine erste positive Bilanz gezogen. «Die ersten Rückmeldungen aus den sächsischen Leitstellen bezüglich der Sirenen sind bisher positiv», erklärte Innenminister Armin Schuster (CDU). Sächsinnen und Sachsen waren am Donnerstagvormittag um 11.00 Uhr anlässlich des bundesweiten Warntag über Sirenen, Nachrichten und Durchsagen probehalber gewarnt worden. Den Test der Systeme leitete das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit Sitz in Bonn.

Warnsysteme regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen, könne Leben retten, betonte Schuster. Im Ernstfall komme es auf jede Sekunde an. «Allein aus dieser Perspektive sehe ich den heutigen Warntag als Erfolg», so der Minister. Wie gut die Systeme wirklich funktioniert haben, werde eine Auswertung des BBK zeigen. Auch deshalb warb er dafür, an der offiziellen Umfrage des BBK teilzunehmen, um eigene Erfahrungen zu teilen.

In Sachsen gibt es nach Angaben des Innenministeriums insgesamt rund 3200 Sirenen. Weitere sollen - unter anderem durch Bundesmittel finanziert - hinzukommen. So zähle etwa der Landkreis Mittelsachsen mit 417 die meisten Sirenen. Hingegen gebe es in Leipzig nach Angaben des Ministeriums und der Stadt keine einzige. Das bis zu Beginn der 90er-Jahre vorhandene System sei technisch verschlissen und extrem störanfällig gewesen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. «Die Stadt Leipzig hat sich anschließend für den Aufbau eines mehrgliedrigen Warnsystems mit unterschiedlichen Warnmitteln entschieden, mit deren Hilfe deutlich umfangreichere Warninhalte als mit Sirenen transportiert werden können.»

In Dresden gebe es insgesamt 210 Sirenen, teilten die Stadt und das Innenministerium mit. Ausgelöst wurden diese dort von der Integrierten Regionalleitstelle. Zu hören war nach Angaben der Stadt das landeseinheitliche Sirenensignal zur Warnung vor einer Gefahr: Ein Heulton, bestehend aus sechs Tönen je fünf Sekunden Dauer mit je fünf Sekunden Pause. Insgesamt sei das Signal also eine Minute lang. Anschließend folge eine Durchsage. Eine Dreiviertelstunde nach Auslösen des Warnsignals kommt dann die Entwarnung.

Der überwiegende Teil der Sirenen habe funktioniert, teilte die Feuerwehr Dresden am Donnerstagnachmittag mit. 97 Prozent der Sirenen seien demnach nachweislich ausgelöst worden. Die übrigen Sirenen seien aufgrund von Baumaßnahmen nicht am Netz oder hatten nicht zurückgemeldet, ob sie ausgelöst wurden. Weil Wind, Verkehr sowie Umgebungsgeräusche die über die Sirenen übertragenen Sprachdurchsagen beeinflusst hatten, habe Verständlichkeit nicht an jedem Ort garantiert werden können. Zudem hatten zahlreiche Menschen demnach über die Sozialen Medien ihre Eindrücke geteilt, hieß es. So seien insgesamt über 18.000 Interaktionen auf Facebook, Instagram und Twitter verzeichnet worden.

Während das Heulen der Sirenen aus alter Zeit oder durch die Erinnerung an den letzten Warntag 2020 bei vielen schon bekannt ist, will der Bund in diesem Jahr auch einen neuen Weg der Warnung testen: Eine Nachricht auf dem Handy, gesendet über den sogenannten Cell Broadast. «Die Technik ist aber gar nicht so neu», sagte Michael Einhaus, der an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) zu Mobilfunk und Hochfrequenztechnik lehrt und forscht. Rein technisch habe in Deutschland schon in den vergangenen Jahren nichts dagegen gesprochen. Unter anderem in Japan und den USA senden die Netzbetreiber schon seit Jahren Nachrichten über Cell Broadcast.

Eine Schnittstelle sei dabei für Behörden und Leitstellen eingerichtet, erklärte Einhaus, der auf einer Reise nach Korea vor einigen Monaten schon eine solche Nachricht bekam. «Weil zum Empfangen keine App heruntergeladen werden muss, ist die Schwelle niedriger», sagte er. Voraussetzung ist, dass das Handy mit dem deutschen Mobilfunknetz verbunden ist und das Betriebssystem ausreichend aktuell ist. «Das heißt mindestens Android 11 oder iOS 16.»

Wie viele Menschen über Cell Broadcast in Deutschland erreicht würden, sei unklar, sagte Einhaus. Er sei gespannt, wann und auf welchen Geräten die Warnung empfangen werde. Dazu lägen schon mehrere Geräte bereit, auch seine Studierenden wolle der Professor dazu befragen, ob und wann sie die Nachricht erhalten haben.

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