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Experte: Europa braucht gemeinsame Waldbrand-Strategie

Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand. / Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild
Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand. / Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Europa wurde in diesem Jahr von zahlreichen Waldbränden heimgesucht. Anders als früher sind inzwischen auch Gebirgsregionen betroffen. Mit Blick auf Klimaprognosen ist entschlossenes Handeln dringend nötig.

Europa muss sich nach Einschätzung von Experten künftig auf eine Zunahme von Waldbränden vorbereiten und die Vorsorge und Bekämpfung verbessern. «Die Entwicklung zwingt dazu, Dinge nicht im Kleinen zu regeln, sondern mit nationalen Strategien und einem europäischen Brandmanagement zu reagieren», sagte der Forscher Matthias Forkel von der Technischen Universität Dresden der Deutschen Presse-Agentur. Unter seiner Leitung hatten in den vergangenen Tagen 70 Fachleute aus mehreren Ländern über eine ganzheitliche Strategie für das Brandmanagement beraten. Die Teilnehmer kamen unter anderem aus Griechenland, Portugal, Spanien und Österreich.

Forkel zufolge gibt es bereits Ansätze für ein gemeinsames Agieren, beispielsweise über den sogenannten European Civil Protection Mechanism. Er regelt gegenseitige Hilfe auch bei verheerenden Waldbränden. Allerdings sei die Brandbekämpfung in Europa sehr verschieden geregelt, in Deutschland sind etwa zunächst die Kommunen mit ihren Feuerwehren zuständig. Erst wenn der Katastrophenfall eintrete, komme der Landkreis, das Land oder später der Bund zum Zuge. Dann bestehe die Möglichkeit, Hilfe aus anderen EU-Ländern anzufordern. «Tschechien hat das bei dem Waldbrand in der Böhmischen Schweiz im Sommer gemacht und bekam Hilfe aus Schweden und Italien.»

Auch ein Monitoring-System zur Abschätzung von Waldbrandgefahren existiert bereits, sagte Forkel. Das European Forest Fire Information System gebe Informationen zur Waldbrandgefahr. «Es ist aber nicht sehr genau.» Es gehe darum, die Gefahr von Waldbränden kleinräumig zu erkennen. Anders als früher seien bei den Bränden dieses Jahres auch Gebirgsregionen betroffen gewesen, darunter die Alpen, der Harz und die Sächsische Schweiz. «In solchen Gebieten gibt es bislang kein ausreichendes Monitoring. Da sind wir tatsächlich unvorbereitet.»

Forkel ist überzeugt, dass Nord- und Mitteleuropa von Erfahrungen der Mittelmeerländer lernen können - vor allem in praktischen Dingen. Da gehe es weniger um das Anpflanzen von robusteren Baumarten, weil die Ökosysteme zu unterschiedlich sind. Entscheidend sei, wie man Brandbekämpfung auf einem höheren Level koordinieren kann. «Portugal ist aus leidvoller Erfahrung heraus ein Vorbild geworden. 2017 starben dort bei Waldbränden mehr als 60 Menschen. Das hat viel im Umgang mit den Bränden geändert», betonte der Forscher. Selbst die Ausbildung von Feuerwehrleuten für die Waldbrandbekämpfung werde dort national organisiert.

«Vom Mittelmeerraum kann man zudem das Konzept des Wildland Urban Interface lernen - die Schnittstelle zwischen Wildnis und Wohnbebauung. Das ist auch ein großes Themen in Australien und den USA», erklärte Forkel. Heute seien Siedlungen oft stark mit dem Wald verwachsen, Gärten und Häuser grenzten häufig direkt an die Natur. Wenn dann ein Waldbrand entstehe, könne er schnell auf Wohngebäude übergreifen. «In Portugal entwickelt man Konzepte, wie das verhindert werden kann - beispielsweise indem der Garten als natürliche Brandschneise dient oder Sprinkleranlagen die Gefahr minimieren.»

«Es gibt in Portugal auch Modellstudien, in gefährdeten Dörfern Schutzräume mit Küchen und der Möglichkeit zu medizinischer Versorgung zu etablieren. Im Falle eines Waldbrandes können sich die Bewohner dorthin zurückziehen, weil dieser Raum etwa durch einen Wassergraben geschützt ist.» Inzwischen ließen sich in Mittel- und Nordeuropa Parallelen zum Mittelmeerraum ziehen. «Wir müssen uns darauf einstellen. Besser wird es in Zukunft nicht.» Technik könne zwar helfen, Waldbrände früher zu erkennen: «Viel wichtiger ist aber, sie gar nicht erst entstehen zu lassen.»

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