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Landesforst beklagt Ausfälle bei Saatguternte

In einer Kühlzelle kontrolliert Felicitas Radeck unterschiedliche Samenbestände. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
In einer Kühlzelle kontrolliert Felicitas Radeck unterschiedliche Samenbestände. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Weißtanne, Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche sind Hoffnungsträger beim Umbau von Sachsens Wäldern: Sie führen die Liste der neu gepflanzten Bäumchen mit großem Abstand an. Doch nun droht bei einigen dieser Baumarten der Nachschub ins Stocken zu geraten. Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche hätten dieses Jahr keine Früchte ausgebildet, berichtet Thomas Rother vom Staatsbetrieb Sachsenforst. «Wenn noch so ein Jahr kommt, wird das ein Problem für die Saatgutversorgung und die Wiederaufforstung.» In anderen Regionen zeige sich ein ähnliches Bild.

Sachsenforst pflanzt jedes Jahr rund sechs Millionen Bäume im Staatswald, etwa auf Kahlflächen nach Stürmen, Dürren und Borkenkäferbefall. Aber auch im Schutz älterer Bäume, um für mehr Vielfalt im Wald zu sorgen und ihn so robuster für die Zukunft zu machen. Ein Teil der jungen Bäume wird in den drei landeseigenen Forstbaumschulen herangezogen, wo sie zunächst ein bis drei Jahre gehegt werden. Um das Saatgut für diesen Kindergarten des Waldes zu gewinnen, bringen Experten Jahr für Jahr Netze in ausgesuchten Baumbeständen aus oder klettern in Baumwipfel, um Zapfen zu pflücken. Das Saatgut wird dann in der Samendarre in Flöha (Landkreis Mittelsachsen) aufbereitet und bis zur Aussaat gelagert.

Doch nicht bei allen Baumarten können Vorräte für schlechtere Jahre angelegt werden. Bei Rotbuchen gebe es noch Restbestände an Saatgut, bei Stiel- und Traubeneiche sei das nicht der Fall, erklärte Rother. Auch andere Regionen außerhalb des Freistaates seien von Ausfällen betroffen, was Zukäufe erschwere. Die Forstbaumschulen müssen daher wohl in der kommenden Saison bei den Baumarten stärker variieren.

Gut fiel die Ernte bei Weißtannen aus - jenem Nadelbaum, der künftig verstärkt Fichten ersetzen soll. Knapp 5,2 Tonnen Zapfen wurden in Sachsen geerntet, die nun in der Samendarre aufbereitet werden. Daraus könnten in den nächsten drei Jahren rund eine Million junger Bäume gezogen werden, rechnete Rother vor. Die gute Ernte hierzulande sei besonders erfreulich, weil in der Slowakei - woher Sachsenforst sonst Weißtannen-Saatgut bezieht - die Ernte ausgefallen sei.

Auch die Vorräte an Samen für Bergahorn und Hainbuche konnten aufgefrischt werden - ausreichend für 3,1 bis 3,6 Millionen junger Bäume. Ebenso bei nordamerikanischer Roteiche, Esskastanie sowie zahlreichen Sträuchern wie Wildrose, Schlehe, Pfaffenhütchen, Hartriegel und Weißdorn, die für die Gestaltung von Waldrändern wichtig sind. Bei der Kiefer sind die Zapfenpflücker in Sachsen noch zugange: Hier werden rund 1,8 Tonnen Zapfen erwartet.

Grundsätzlich ist es auch bei Waldbäumen nicht ungewöhnlich, dass sie über die Jahre unterschiedlich stark Frucht tragen. Dabei wirken sich auch Dürren oder Fröste aus. Komme es aber mehrere Jahre in Folge zu Ausfällen, sei das ein Risiko für den Waldumbau, betonte Rother. Es werde dann schwieriger, gesteckte Ziele zu erreichen. Anpflanzungen müssten so etwa auf besonders brisante Areale konzentriert werden. In Mischwäldern könne zudem die Naturverjüngung forciert werden, etwa durch eine stärkere Bejagung. Denn häufig fressen etwa Rehe die Knospen junger Bäume ab, die auf natürliche Weise im Wald sprießen, oder beschädigen ihre zarte Rinde. Zu viele Rehe verhindern so, dass sich der Wald auf eigene Faust regeneriert.

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