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Rot-Weiß Erfurt zwischen Aufstiegsträumen und Angst

Blick in den Innenraum des Steigerwaldstadions. / Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa
Blick in den Innenraum des Steigerwaldstadions. / Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Sportlich nimmt Rot-Weiß Erfurt Kurs auf die 3. Liga. Allerdings ist die Zukunft des Clubs über vier Jahre nach dem Insolvenzantrag noch offen. Klarheit soll eine Abstimmung im neuen Jahr bringen.

Bei Rot-Weiß Erfurt hat man noch lange nicht vergessen, wo der Club herkommt. Das sorgt in der aktuellen Situation, in der die Mannschaft sich als Aufsteiger mit phasenweise wunderbarem Fußball auf Platz zwei der Regionalliga Nordost gespielt hat, dafür, dass niemand abhebt. «Wir bleiben demütig und am Boden», sagte Trainer Fabian Gerber der «Thüringer Allgemeinen». Was wie eine enorm abgedroschene Phrase klingt, meint man am Steigerwald völlig ernst. Schließlich ist der Gang zum Insolvenzrichter nicht einmal fünf Jahre her.

Im März 2018 meldete man sich offiziell zahlungsunfähig. Ausgerechnet im zehnten Jahr als Drittligist folgte der Abstieg in die Regionalliga. Wer allerdings dachte, damit wäre der Tiefpunkt erreicht, täuschte sich gewaltig. Im Januar 2020 platzten Verhandlungen mit einem Investor, der Verein meldete die Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Es ging ein Stockwerk tiefer in die Oberliga. Dort bremste man die Talfahrt, in der nur zehn Spieltage dauernden Corona-Saison wurde man Dritter.

Im Sommer 2021 kam Trainer Fabian Gerber zum Club, sein Vater Franz Gerber war bereits als Investor und Geschäftsführer bei RWE. Den Anfang wird Gerber junior so schnell nicht vergessen. Als er kam, «waren alle Türen zu. Niemand wollte von Rot-Weiß etwas wissen. Das ist inzwischen ganz anders.» Der Vater berichtete im «Kicker», dass es mit Sponsoren nicht einmal eine Gesprächsgrundlage gegeben habe: «Das Image von RWE war völlig kaputt.»

Sportliche Ambitionen gegen akute Finanznot. Bei diesem Kampf auf der Klippe fing der Club seine Mitte auf dem Platz. Mit 20 Punkten Vorsprung wurde man Oberliga-Meister, stellte eine Serie von 19 Siegen nacheinander auf. Finanziell wurde es eine Etage höher nicht viel besser, dem Vernehmen nach verfügt RWE über einen Etat von 850 000 Euro. Sportlich blieb man jedoch trotz zehn Abgängen einfach in der Spur.

In Artur Mergel und Kay Seidemann hat man gleich zwei Spieler an der Spitze der Torjägerliste, Mittelstürmer Romaria Hajrulla komplettiert den wohl gefährlichsten Angriff der Liga. Nur Tabellenführer Energie Cottbus hat mit 37 Toren einen Treffer mehr erzielt, allerdings hat der Aufstiegsfavorit auch ein Spiel mehr absolviert. Obwohl alle Zweifel am Klassenerhalt schon zur Winterpause ausgeräumt sind, ist die Rückkehr in die 3. Liga wohl noch nicht realisierbar.

«Wenn wir 75 Prozent des Etats der Spitzenvereine haben, also etwa 2,3 Millionen Euro, können wir den Aufstieg ernsthaft angehen», sagte Franz Gerber der «Bild». «Trotzdem bin ich sehr froh, dass sich wieder viele Türen öffnen. Ich glaube, in fünf Jahren könnte das klappen.» Die Mannschaft eilt der Leistungsfähigkeit des Clubs weit voraus. Und natürlich werden andere Clubs auf die Spieler aufmerksam. Auch Trainer Gerber berichtete bereits vom Interesse anderer Vereine. Bleibt RWE in der Regionalliga, dürfte es im Sommer zum nächsten Umbruch kommen.

Bis dahin dürfte auch auf einem ebenso unliebsamen wie entscheidenden Nebenschauplatz endlich Ruhe herrschen. Rein theoretisch ist die Abwicklung des Clubs nämlich immer noch nicht vom Tisch. Das betonte Insolvenzverwalter Volker Reinhardt jüngst, als er Anfang Dezember einen überarbeiteten Insolvenzplan vorlegte. Über diesen müssen die Gläubiger nun abstimmen. «Wird der Insolvenzplan angenommen, kann der Verein fortbestehen und der Aufstieg in die 3. Liga gelingen. Lehnen die Gläubiger den Insolvenzplan ab, wird das Insolvenzverfahren fortgeführt. Die Abwicklung des FC Rot-Weiß Erfurt ist dann wahrscheinlich», sagte Reinhardt. Anfang Januar soll der Termin für die Abstimmung festgelegt werden.

Franz Gerber beunruhigen Reinhardts Worte nicht. «Persönlich rechne ich nicht mehr mit einer Abwicklung des Vereines. Wir haben uns wieder interessant gemacht. Sicher auch wegen des sportlichen Werdegangs. Ich bin davon überzeugt, dass sich viele Leute für den Verein einsetzen werden und eine Abwicklung verhindern», sagte der 69-Jährige.

Die Fans haben die Liebe zu ihrem RWE wiederentdeckt. Über 5000 Zuschauer kommen im Schnitt ins Steigerwaldstadion, mit weniger als der Hälfte hatte man kalkuliert. Gelingt nun der Abschluss des Insolvenzverfahrens, ist die Basis für eine solide Zukunft gelegt. Aus den Fehlern der Vergangenheit hat man dem Anschein nach gelernt.

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