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Kornhaus Meißen wird nicht zwangsversteigert - Lösungssuche

Das Kornhaus auf dem Domplatz. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild
Das Kornhaus auf dem Domplatz. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild

Die Zwangsversteigerung des historischen Kornhauses in Meißen ist vom Tisch. Sämtliche auf dem Objekt lastenden Schulden seien beglichen worden, der Zwangsversteigerungstermin damit hinfällig, teilte die Kommune am Mittwoch mit. Zuerst hatte sächsische.de berichtet, das Onlineportal der «Sächsischen Zeitung». Die Zwangsversteigerung des Gebäudes war für den kommenden Montag terminiert.

Das Kornhaus gehört zum Gebäudeensemble der Albrechtsburg und befindet sich im Besitz einer österreichisch-italienischen Investorengruppe. Bis 2008 hatte es der Stadt Meißen gehört. Ursprünglich wollten die Investoren es zu einem Luxushotel umbauen. Allerdings verfiel das Gebäude aus dem späten 15. Jahrhundert immer mehr. Die AfD hatte Interesse an einem Kauf bekundet, um dort ein Bildungszentrum zu errichten und wollte beim Versteigern mitbieten.

Dagegen regte sich breiter Widerstand. Am vergangenen Montag lehnten die Koalitionsfraktionen von CDU, Grünen und SPD im Kulturausschuss des Landtages einen Antrag der Linken ab, der die Regierung zum Kauf des Kornhauses aufforderte. Der SPD-Abgeordnete Frank Richter hatte sich schon zuvor in einem von Prominenten unterstützten offenen Brief für einen Erwerb des Kornhauses durch den Staat stark gemacht. Sachsens Finanzministerium lehnt einen Kauf mangels Bedarf bisher ab.

Die AfD hatte wiederholt betont, dass es ihr in erster Linie darum geht, das Kornhaus vor dem Verfall zu bewahren. Am Mittwoch meldete sich AfD-Schatzmeister Carsten Hütter aus der Bundeszentrale zu Wort. «Ich betrachte die Angelegenheit mit einem weinenden und lachendem Auge. Auf der einen Seite wird der Erwerb des Kornhauses wohl nicht mehr möglich sein. Aber auf der anderen Seite haben wir die Thematik Kornhaus in die Öffentlichkeit und in aller Munde gebracht. Fazit ist: Man wird sich nun um das kulturelle Erbe in der 'Wiege Sachsens' kümmern und den Verfall des Kornhauses stoppen.»

Meißen will nun auf die Investorengruppe zugehen, um deren Pläne zu erkunden. «Die Stadt Meißen und auch die Mehrheit der Stadträte haben sich klar dafür ausgesprochen, das Haus auch eigentumsrechtlich wieder in die Albrechtsburg zu integrieren», zitierte sächsische.de den Meißener Oberbürgermeister Raschke (parteilos). Damit wäre das Land Sachsen am Zug.

SPD-Mann Richter stellte am Mittwoch klar, dass mit der abgewendeten Versteigerung nur Zeit gewonnen sei. «Die Stadt und der Freistaat sollten zusammenfinden, um eine gemeinsame Idee und ein Nutzungskonzept zu entwickeln», betonte er.

«Die abgesagte Versteigerung ist zwar ein Grund zur Freude, aber noch lange kein Grund, das Thema jetzt abzuhaken. Vielmehr gilt es, das Kornhaus zu erhalten und für alle Menschen zugänglich zu machen», erklärte Grünen-Politiker Thomas Löser. Er sieht den Freistaat gemeinsam mit der Stadt und den Eigentümern in der Pflicht, das Kornhaus als Standort etwa eines wissenschaftlichen Institutes oder eines landesgeschichtlichen Museums zu prüfen.

«Wir bleiben dabei, dass der Freistaat mit dem Kornhaus-Eigentümer und der Stadt Meißen über einen Kauf verhandeln soll, denn die Albrechtsburg gehört komplett in die öffentliche Hand», sagte Linke-Politiker Franz Sodann.

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