Die Initiative «Kirche von unten» wendet sich gegen eine weitere Zentralisierung innerhalb der evangelischen Landeskirche Sachsen. Auf geschichtsträchtige Weise wurden jetzt 14 Thesen zu dem Thema an die Türen der Kreuzkirche und Dreikönigskirche in Dresden geheftet. Damit warnt die Gruppierung vor einer übereilten Strukturreform. Mit der symbolischen Aktion wolle man die Kirchenmitglieder wachrütteln und zum Unterzeichnen einer Petition mit grundlegender Kritik am Reformpapier der Kirchenleitung aufrufen, teilte die Basis-Initiative mit.
Projekt «Kirche im Wandel» soll Kirche fit für die Zukunft machen
Unter dem Slogan «Kirche im Wandel» hatte die Landeskirche einen Prozess auf den Weg gebracht, wie man angesichts begrenzter Ressourcen und gesellschaftlicher Veränderungen auch in Zukunft lebendig und handlungsfähig bleiben kann. Damit ist eine Struktur- und Stellenplanung verbunden, die bis in das Jahr 2050 reichen soll. Die Initiative «Kirche von unten» strebt eine Rückbesinnung auf die Ortsgemeinde an.
Initiative der Basis möchte Ortsgemeinde im Mittelpunkt sehen
«Die Kirchgemeinde ist der zentrale Bezugspunkt, an dem kirchliches Wirken erfahrbar wird. Deshalb braucht sie verbindliche persönliche Beziehungen und nahe Ansprechpartner», heißt es in den Thesen. Größen beziehungsweise die Organisationsstrukturen der Zusammenarbeit von Kirchgemeinden müssten von diesen selbst und freiwillig bestimmt werden. Als grundsätzliche Handlungs- und Entscheidungsprämisse wird Eigenverantwortung genannt. Wenn Personal-, Finanz- und Sachentscheidungen die Gemeinde betreffen, sollen sie auch dort entschieden werden.
«Kirche von unten» sieht Prozess in die falsche Richtung laufen
Nach Einschätzung der Initiative benennt der Zwischenbericht zur «Kirche im Wandel» zwar viele Probleme der bisherigen Strukturreformen treffend – etwa den Verlust von Nähe, Beziehung und Identifikation. Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen würden aber in die falsche Richtung gehen. Statt die Kirchgemeinden vor Ort zu stärken, setze das Papier erneut auf größere, weiter entfernte und komplexere Einheiten. Entscheidungen drohten noch weiter vom Ort des Gemeindelebens entfernt zu werden.
Tag für den Thesenanschlag bewusst gewählt
Der 6. Januar – Tag des Epiphaniasfestes - war bewusst für die Aktion gewählt worden. «Wir schlagen unsere Thesen nicht aus Protestlust an, sondern aus Verantwortung und Hoffnung. Epiphanias erinnert daran, dass Gott sich nicht zuerst in Größe, Macht oder Effizienz zeigt, sondern in Nähe, Vertrauen und Gemeinschaft.» Diese Perspektive vermisse man im aktuellen Reformprozess.
Landesbischof begrüßt Wortmeldungen zum Strukturprozess
Landesbischof Tobias Bilz hatte am Rande der Herbstsynode der Landeskirche Wortmeldungen ausdrücklich begrüßt. «Jeder, der sich zurückmeldet zu unseren Absichten, wird gehört und es wird aufgenommen», sagte er Mitte November. Man werde sehr sorgsam auf die Vorschläge schauen. Er freue sich über den Wortbeitrag der Initiative «Kirche von unten» und sei gespannt, was man davon übernehmen könne.
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