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Missbrauch in der Kirche: Gemeinde löst Priestergrab auf

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung eines Missbrauchsfalls in einer katholischen Gemeinde wird im Bistum Dresden-Meißen erstmals das Grab eines Priesters eingeebnet. «Das ist Teil eines Aufarbeitungsprozesses», sagte der Sprecher des Bischöflichen Ordinariats, Michael Baudisch, am Dienstag auf Anfrage. Genau genommen werde die nach 50 Jahren Liegezeit erfolgte Verlängerung für die letzte Ruhestätte des Ex-Pfarrers Herbert Jungnitsch abgebrochen, sagte der Referent der Gemeinde St. Georg Heidenau (Sächsische Schweiz), Benno Kirtzel. Ein erster Termin dafür sei wegen Corona verschoben worden. Bei einer Veranstaltung im Juni sollen zudem die Fakten zu dem Fall in der Gemeinde öffentlich gemacht und «alle auf denselben Kenntnisstand» gebracht werden.

Nach einem Bericht der «Sächsischen Zeitung» ist «glaubhaft bekannt», dass Jungnitsch (1898-1971) in mindestens vier Fällen «sexualisierte und körperliche Gewalt bis zum schweren Missbrauch von Kindern» verübt hat. Schon 2010 hätten sich Betroffene an den damaligen Bischof gewandt und von schwerstem Missbrauch aus den 1960er Jahren berichtet, an dem mindestens sechs weitere Männer beteiligt gewesen sein sollen. Gerüchte habe es bereits Jahre zuvor und unter anderem eine konkrete Information durch eine Betroffene gegeben, diese seien aber nicht ernst genommen worden.

Offiziell wurde die Gemeinde im Juli 2020 informiert und dabei der Name des Täters genannt, sagte Kirtzel. Die Entscheidung, das Grab auf dem Südfriedhof aufzulösen, werde vom Bistum mitgetragen, sagte Pfarrer Vinzenz Brendler. Laut Kirtzel geht es vielmehr um das Verhältnis der Gemeinde zu der Sache, «über die 50 Jahre nicht gesprochen wurde und die Menschen noch immer nicht wahrhaben wollen». Dabei gilt der Fall laut Zeitung als «gravierendste Tat seit 1945» im Bistum. Das sieht den Umgang der Heidenauer Pfarrei damit als Vorbild für die ausstehende Aufarbeitung in anderen Gemeinden.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

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