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Freiheit mit Augenmaß: Sachsens Christen feiern Ostern

Passanten gehen hinter dem Friedensbrunnen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche entlang. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Passanten gehen hinter dem Friedensbrunnen auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche entlang. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Seit dem 2. April sind die meisten Corona-Schutzmaßnahmen in Sachsen passé. Die Christen freuen sich auf Gottesdienste in Präsenz wie früher, mit der Bitte um Vorsicht - und im Schatten des Krieges.

Nach coronabedingtem Verzicht 2020 und Beschränkungen 2021 können die Kirchen in Sachsen diesmal das höchste Fest der Christenheit wie früher feiern - mit Posaunenchören, vielstimmigem Gesang und den Bräuchen. Obwohl die meisten Corona-Schutzmaßnahmen inzwischen aufgehoben sind, sind Katholiken und Protestanten Ostern zum verantwortlichen Umgang mit der Freiheit aufgerufen. «Unsere dringende Empfehlung ist, weiterhin Abstand oder Maske zu ermöglichen», sagt die Sprecherin der evangelischen Landeskirche, Tabea Köbsch. Das sei angesichts der momentan hohen Inzidenzen geboten. Die katholischen Bistümer Dresden-Meissen und Görlitz sowie die evangelische Landeskirche erwarten dennoch gut gefüllte Kirchen - wo es angesichts des Krieges in der Ukraine auch Ostern Fürbitten und Friedensgebete gibt.

Laut Köbsch sind auch die Abendmahlsgottesdienste sowie Tischabendmahle in Gemeinden, Andachten zur Sterbestunde Jesu, Kreuzwege, Osterfeuer und Osternachtfeiern wieder möglich. Nur konfirmiert wird, anders als früher, nicht, aus Vorsicht haben die Familien das in den Sommer verlegt. Vor allem in den großen Kirchen sind auch wieder Passionskonzerte geplant. Und: «Ostern wird auch gern getauft.»

Auch der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers freut sich, dass die Feier der Kar- und Ostertage «nach zwei belastenden Jahren unter Corona-Einschränkungen» wieder mit weniger Aufwand möglich ist. «Mit den neugewonnenen Freiheiten werden wir sehr verantwortungsbewusst umgehen und weiterhin auf Maske und Abstände setzen.» Für alle, die berechtigt vorsichtig seien, plant das Bistum wieder Livestream-Angebote aus der Dresdner Kathedrale.

«Das Gebet und die innere Einkehr ist vielen von uns gerade angesichts des Kriegs in der Ukraine ein Anliegen», sagt Timmerevers. «Und für mich ist zentral: Die frohe Botschaft der Auferstehung Jesu zu einem Leben nach dem Tod schenkt uns Trost und Hoffnung.» Der evangelische Landesbischof Tobias Bilz spricht von Zuversicht, «dass das Leben mit dem Tod nicht endet». Der tiefste, damit verbundene Schmerz sei der des Abschieds. «Deshalb ist die stärkste Botschaft zu Ostern die Hoffnung auf das Wiedersehen», sagte er. «Daraus schöpfen wir die Kraft nicht auf das Eigene achten zu müssen, sondern jetzt bei denen zu sein, die uns brauchen: mit Trost, Hilfe und Zuwendung.»

Die Osterbotschaft wird auch wieder vom Rücken der Pferde aus verkündet, von den Osterreitern in der sorbischen Lausitz. Traditionell gibt es neun Züge mit insgesamt etwa 1500 Reitern, festlich gekleidet in Gehrock, Zylinder und weißen Handschuhen. «Sie werden sich testen, Abstand halten, wo das nicht geht, Maske tragen», sagt Bistumssprecher Michael Baudisch.

Die Wurzeln dieses Brauchs reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück, als man glaubte, durch Feldumritte die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Die heutigen Prozessionen sind ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben.

Das Ordinariat des Görlitzer Bistums empfiehlt außerhalb des Platzes die Maske. «Sonst ist alles wieder erlaubt», sagt Generalvikar Alfred Hoffmann. «Die Leute sind so dankbar, dass sie wieder dürfen und Gottesdienst gefeiert werden kann.» Ostern ist für Christen weltweit der Höhepunkt des Jahres, an dem sie das Fundament ihres Glaubens feiern. Zuvor gehen die Gläubigen den Weg Jesu mit vom triumphalen Einzug in Jerusalem (Palmsonntag) über das Letzte Abendmahl mit seinen Jüngern (Gründonnerstag), die Kreuzigung und Grablegung (Karfreitag) bis zur Auferstehung (Ostern).

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