Die Rallye geht weiter - oder doch nicht? Der tschechische Rüstungskonzern CSG hat bei seinem Börsengang am Freitag an der Euronext Amsterdam für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen nahm rund 3,3 Milliarden Euro ein, die Aktie sprang am ersten Handelstag deutlich über den Ausgabepreis von 25 Euro und schloss bei etwa 32,85 Euro – ein Plus von 31,4 Prozent. Am Montag ging es zunächst weiter aufwärts. Gegen Mittag stand das Papier bei rund 34 Euro.
Der fulminante Debüttag unterstreicht das starke Momentum, das derzeit Verteidigungsunternehmen an den Märkten genießen. Nach Einschätzung der Plattform Simply Wall St. erhielt CSG zusätzlichen Rückenwind durch die Berufung von Lynn Fordham in den Aufsichtsrat, was als Signal für mehr Governance-Stärke gewertet werden dürfte. Die Frage, die sich viele Investoren stellen: Ist der Höhenflug von CSG bereits ausgereizt – oder beginnt der Markt erst jetzt, die erwarteten künftigen Wachstumsperspektiven einzupreisen?
CSG verfügt über kaum öffentliche Finanzhistorie. Es liegen weder detaillierte Umsatz-, Gewinn- noch Bilanzzahlen vor, die in klassische Bewertungsmodelle einfließen könnten. Entsprechend fehlen Analysten-Kursziele, Discounted-Cashflow-Berechnungen oder verlässliche Branchenvergleiche. Die Bewertung basiert daher vorerst vor allem auf der Story, dem geopolitischen Umfeld, dem Sektor-Interesse und der schieren Größe des Börsengangs – weniger auf harten Ertragszahlen oder Prognosen. Trotz der dünnen Datenlage zeichnet das Geschäftsmodell ein klares Bild: CSG ist ein klassischer Rüstungskonzern mit Standorten in Tschechien (Hauptsitz in Prag), dem übrigen Europa, den USA und Teilen des Asien-Pazifik-Raums (Indien). Das Unternehmen gliedert sich in zwei Kernbereiche: Erstens CSG Defence Systems mit mittlerer und großer Kaliber-Munition, Land-Systeme (darunter Rad- und Kettenfahrzeuge, schwere Geländewagen), Verteidigungselektronik (Radare, Flugabwehrsysteme) sowie fortschrittliche Technologien wie Turbojet-Triebwerke für Drohnen und Raketen. Zweitens in CSG Ammo +: Kleinkaliber-Munition für Pistolen, Revolver, Gewehre und Schrotflinten – mit Kunden aus Zivilmarkt, Polizei und Militär.
Diese breite Aufstellung bindet CSG nach Analyse von SimplyWallSt. eng an staatliche und private Verteidigungsausgaben weltweit – von Artilleriegranaten und Panzermunition über Handfeuerwaffen bis hin zu Radarsystemen. Der Aufsichtsrat ist frisch und unerfahren nach gängigen Maßstäben. Die Verbindlichkeiten bestehen zu 100 Prozent aus risikoreicherer Fremdfinanzierung. Konkrete Zahlen zur Verschuldung fehlen jedoch noch.
CSG weist derzeit laut SimplyWallSt. eine Eigenkapitalrendite von null Prozent aus und ist unprofitabel – oder zumindest fehlen Daten, um eine Trendwende zu beurteilen. Da das Unternehmen erst seit kurzem börsennotiert ist, gibt es weder langfristige Vergleiche mit dem niederländischen Gesamtmarkt noch mit der heimischen Rüstungsbranche. Analystenprognosen existieren noch nicht. Hinzu kommt: Die Aktie zeigte eine geringe Liquidität. Ob die Rallye weiter geht? Wer weiß das schon.