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Videothek als Kunstwerk: Auftakt für Festival «Begehungen»

Eine Künstlerin springt an einer Klanginstallation vorbei. / Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Eine Künstlerin springt an einer Klanginstallation vorbei. / Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Mit Gegenwartskunst erweckt das Festival «Begehungen» alljährlich verlassene Orte zum Leben. Nun hat es im Lichtensteiner Schlosspalais Quartier bezogen - und präsentiert auch Werke tierischer Künstler.

Die Holzskulpturen wurden von Künstlern mit ihren Zähnen geschaffen: Figuren, die etwa an Vögel erinnern oder an einen weiblichen Torso. Dabei waren jedoch nicht Menschen am Werk, sondern Biber. «Wir verstehen uns als Kuratoren des Bibers», erklären Anne Peschken und Marek Pisarsky, die diese Arbeiten beim Festival «Begehungen» präsentieren. Neben dieser «Biber-Kunst» wurden aus fast 700 Bewerbungen 24 weitere Arbeiten ausgesucht, die ab Donnerstag im Schlosspalais Lichtenstein (Landkreis Zwickau) gezeigt werden.

Zu sehen ist auch die Arbeit «Nord Stream 3» von Benedikt Hartl, in der er sich Gedanken zu einer Nutzung der zerstörten Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 macht. Hartl entwirft die Vision eines Begegnungsortes, einer Art Wasserschloss als Zentrum für Völkerverständigung. Derweil hat Torsten Wagner Hunderte Videokassetten in Regalen drapiert und lässt so eine Videothek aus den 1980er Jahren auferstehen. Als «menschlicher Algorithmus» will er die Besucher bei der Auswahl beraten; die Filme können sie dann über einen alten Röhrenfernseher anschauen. Wagner will mit seinem Projekt Besucher anregen, ihren Medienkonsum zu reflektieren und versteht seine Videothek als Begegnungsraum im Kontrast zum heutigen Streamen von Filmen daheim.

Das Festival präsentiert alljährlich zeitgenössische Kunst an wechselnden Orten. Dabei hat es schon ein ehemaliges Gefängnis, verlassene Industriegebäude und ein früheres Schwimmbad in Galerien auf Zeit verwandelt. Nun haben die Festivalmacher das Schlosspalais in Lichtenstein mit seiner wechselvollen Geschichte - es diente schon als Amtsgebäude, Gericht, Unterkunft für Geflüchtete und Museum - als Ausstellungsort ausgewählt. Unter dem Titel «et cetera pp» widmen sie sich auch der Sammelleidenschaft. Dazu werden Sammlungen von Menschen aus der Region in die Schau integriert - etwa Kollektionen von Kaffeekannen, Stundenplänen oder Reißzwecken.

Das Festival will ein niedrigschwelliges Angebot für Kunstgenuss sein und erhebt daher für die Ausstellung und das Rahmenprogramm keinen Eintritt. Allerdings wird um Spenden gebeten. Das Budget von rund 200.000 Euro speist sich den Angaben zufolge darüber hinaus aus Fördermitteln und Sponsorengeldern. Die Organisatoren hoffen bis zum 27. August auf ähnlich viele Besucher wie im Vorjahr - damals waren es rund 12.000.

Die «Begehungen» sind Teil des Programms für Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt 2025. Dabei soll am letzten Festivalwochenende (26. August) auch eine weitere Skulptur für den «Purple Path» eingeweiht werden - ein Kunst- und Skulpturenpfad, der Chemnitz mit dem Umland verbindet. Für Lichtenstein schafft der türkischstämmige Künstler Iskender Yediler auf dem Areal einer alten Textilfabrik eine Arbeit, die den Angaben nach Bezug auf historische Industrieanlagen nimmt. So soll ein neuer Erinnerungsort entstehen, dessen Geschichte nicht nur visuell, sondern auch mit Hilfe von Soundcollagen erzählt wird.

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