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Veröffentlicht mit publizer in Sachsen

Provenienzforschung in Bibliotheken fehlt Geld und Personal

Die Recherche nach unrechtmäßigem Kulturgut gehört inzwischen zur Aufgabe von Museen, Archiven und Bibliotheken. Sie wird von Bund und Ländern gefördert - dennoch ist in Sachsen bisher nur ein Bruchteil der Buchbestände bearbeitet.

Die Recherche zur Herkunft von Büchern in den Beständen öffentlicher und wissenschaftlicher Bibliotheken in Sachsen hinkt der in Museen hinterher. Es fehle an festen Stellen für Spezialisten und einer dauerhaften Finanzierung, sagte Jana Kocourek von der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden zum Tag der Provenienzforschung (13. April). Bisher sei nur ein Bruchteil der Bücher bearbeitet, die vor 1945 erschienen, auch weil die Recherche nur in befristeten Projekten laufe. «Wir brauchen eine Verstetigung der Provenienzforschung, sonst ist das rausgeworfenes Geld.»

Sachsen gilt wegen des «Daphne»-Projekts, mit dem seit 2008 die Bestände der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) erfasst und gesichtet werden, als Vorreiter der Provenienzforschung in Deutschland. Auf die Bibliotheken im Land treffe das nicht zu, diese würden stiefmütterlich behandelt, sagte Kocourek. Der Freistaat müsse sich mehr engagieren. Andere Bundesländer richteten auch Kompetenzzentren für die Herkunftsrecherche in den Bibliotheken ein - hierzulande hänge sie am Engagement einzelner Personen. «Die Recherche an den einzelnen Objekten ist das eine, es braucht einfach wirklich auch eine Forschungsinfrastruktur.»

Laut Kocourek wurden bisher mehr als 10.000 Bücher landesweit restituiert, dann zurückgegeben oder angekauft. Sie schätzt den noch nötigen Zeitbedarf für die Erforschung der Bestände öffentlicher und wissenschaftlicher Bibliotheken auf «mindestens 20 Jahre». Immerhin gebe es zur Erforschung von NS-Raubgut im Bereich öffentlicher Bibliotheken eine Koordinierungsstelle. Je mehr geforscht werde, umso deutlicher werde der Bedarf insgesamt. Statt befristeter Projekte brauche es dafür eine institutionelle Struktur, «ein Kompetenzzentrum».

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