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Pöppelmanns Garten im Dresdner Zwinger gab es wirklich

Katrin Ruffani, Grabungsarbeiterin, hockt mit einer Sprühflasche in einer Grabungssondage. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Katrin Ruffani, Grabungsarbeiterin, hockt mit einer Sprühflasche in einer Grabungssondage. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann hat für den Kurfürsten August den Starken den Dresdner Zwinger gebaut. Alte Pläne einer Parkanlage in dessen Innenhof gibt es, nur sie selbst nicht mehr - oder doch?

Archäologen haben Beweise für die Existenz eines barocken Parks im Innenhof des Dresdner Zwingers gefunden - sieben Jahre nach der ersten Probegrabung. «Unsere Vermutungen haben sich bestätigt: den Pöppelmannschen Garten gab es wirklich», sagte Projektleiter Hartmut Olbrich vom Landesamt für Archäologie. Seit Anfang März erforscht der Bauhistoriker mit zwei Helfern den insgesamt rund 14.000 Quadratmeter großen Innenhof, parallel zu dessen Sanierung.

Der Zwinger, ein Hauptwerk europäischer Barockarchitektur, wurde 1709 bis 1728 im Auftrag von Kurfürst August dem Starken (1670-1733) von dessen Architekt Pöppelmann (1662-1736) gebaut - als Ort der Repräsentation, höfischer Feste und Domizil herrschaftlicher Sammlungen. Seine heutige Gestalt erhielt das Areal in den 1920er Jahren nach einem alten Kupferstich, in reduzierter Form.

Olbrich kann nun beweisen, was Voruntersuchungen 2011/2012 und Recherchen erahnen ließen. Mit jeder Spur alter Pflanzungen, Strukturen und Anlagen nimmt der Barockgarten wieder Gestalt an - aber nur auf seiner Skizze. «Es wird alles wieder unter der Packelage begraben: Pflanzenreihen, Beckenfundamente, Bänke, Wegestrukturen.» Die bei der Umgestaltung durch Hubert Ermisch in den 1920er Jahren aufgebrachte Schicht aus Steinen ist eine Art Drainage - die unverhofft ein Geheimnis barg.

«Wir haben darin zig originale Architekturteile von den nahen Gebäuden gefunden: Figuren, Baluster, Vasen», sagt Olbrich. Sie waren zerschlagen und als Unterlage für die Wege benutzt worden. Die besten Stücke kamen in die Zwingerbauhütte, darunter ganze Gesichter von Satyr-Figuren, die als verloren galten. Auch Blumen, Hände und Gewandfalten liegen vor einem Baucontainer. «Ermisch hat die Frage nie beantwortet, wo die Originale geblieben sind, die damals durch Kopien ersetzt wurden», erzählt Olbrich. «Nun ist das Rätsel gelöst.»

Er und seine Kollegen hatten 2013 schon Unterbauten von Wegen, Pflanzgruben und Hinweise auf einige Umgestaltungen zwischen 1713 und 1718 entdeckt. außerdem Spuren temporärer Architektur wie Tribünen, Podeste, Treppen für Feste oder den Unterbau von Beckenfundamenten. Fast nebenbei haben sie nun noch Reste des ersten Schießhauses, der Zwingergrotte und der Stadtmauer freigelegt, die Vorgängerbauten auf dem Areal aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Der legendäre sächsische Barockfürst flanierte einst mit seiner Hofgesellschaft und Gästen zwischen den noch im Bau befindlichen Gebäuden hindurch. Pöppelmann hatte die ebene Fläche mit Eibe, Buchsbaum, buntem Kies, exotischen Pflanzen in Kübeln und Vögeln sowie Orangenbäumen als «Garten Eden» gestaltet. 1719, als Sachsens Kurprinz ins österreichische Kaiserhaus einheiratete, war die Pracht einem Festplatz für Turniere gewichen. Bis zum Frühjahr 2022 hat Olbrich Zeit, noch mehr Verborgenes freizulegen. «Wir finden den Garten hoffentlich noch in Reinkultur.»

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH