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KZ Gedenkstätte Sachsenburg: Maicher moniert Abrisspläne

Am sogenannten "Pfad der Erinnerung" im einstigen KZ Sachsenburg steht die frühere Kommandantenvilla. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Am sogenannten "Pfad der Erinnerung" im einstigen KZ Sachsenburg steht die frühere Kommandantenvilla. / Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

In Mittelsachsen richteten die Nationalsozialisten eines ihrer ersten Konzentrationslager ein - zugleich eine Ausbildungsstätte für die SS. Doch statt einer Gedenkstätte gibt es viel Streit um die einstige Kommandantenvilla. Ihre Außenmauern könnten bald verschwinden.

Im neu entbrannten Streit um die Gedenkstätte zum KZ Sachsenburg hat die Vorsitzende des Kulturausschusses im Landtag, Claudia Maicher (Grüne), vor einem vorschnellen Abriss der ehemalige Kommandantenvilla gewarnt. Ein kompletter Erhalt samt Sanierung des baufälligen Gebäudes sei nicht möglich, sagte sie am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. «Aber es muss alles dafür getan werden, möglichst viel von dem Gebäude zu erhalten und es in der künftigen Gedenkstätte als Täterort zu berücksichtigen.»

Hintergrund der Debatte sind Pläne der Stadt Frankenberg für einen baldigen Rückbau des Gebäudes. Dafür wurden jüngst Eigenmittel von 30.000 Euro bewilligt. Der Kulturpolitiker der Linken, Franz Sodann, hatte deswegen vor einigen Tagen Alarm geschlagen und die Landesregierung aufgefordert, Stellung zu beziehen.

Auch von den fünf bei einem Wettbewerb prämierten Architekten- und Künstlerteams gibt es heftige Kritik. Sie haben sich nach eigenen Angaben erneut mit einem Brief an Bund, Land, Landkreis und die Stadt gewandt. Darin fordern sie einen Stopp der Vorbereitungen für den Abriss und einen öffentlichen Diskussionsprozess. Sie berufen sich auf Einschätzungen eines Gutachters, wonach ein Erhalt der Außenmauern des Gebäudes prinzipiell möglich sei.

Sachsenburg gehört zu den frühen Konzentrationslagern. Es war nicht nur Vorläufer späterer KZ wie Buchenwald und Sachsenhausen, sondern auch Ausbildungsstätte für die SS. Das KZ wurde 1933 in einer Spinnerei eingerichtet. Bis zur Schließung 1937 wurden etwa 10.000 Menschen interniert - vor allem politische Gegner der Nazis wie Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Kommunisten.

Heute erinnert ein «Pfad der Erinnerung» an diese Geschichte. Anhand von Erklärtafeln wird Interessierten die Nutzung einzelner Gebäude erläutert. Seit Jahren wird zudem um die Errichtung einer regulären Gedenkstätte gerungen. Laut Maicher haben Bund und Land dafür jeweils 2,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Stadt hatte einen internationalen Wettbewerb ausgelobt. Das Ergebnis stieß voriges Jahr allerdings bei Erinnerungsinitiativen auf scharfe Kritik.

Sie störten sich insbesondere daran, dass die beiden Erstplatzierten einen weitgehenden Abriss des stark baufälligen Gebäudes vorsahen. Am Ende entschied die Stadt, gar keinen der prämierten Entwürfe umzusetzen und den zuvor ausgeschiedenen Beitrag «Nie wieder» zu verwirklichen.

In ihrem Brief kritisieren Vertreter der fünf prämierten Büros scharf, dass der Wettbewerb ignoriert und der Abriss eines so bedeutsamen KZ-Gebäudes «entgegen der Stellungnahme des Gutachters» durchgesetzt werden soll. Dies drohe ein Präzedenzfall zu werden. Bund und Land dürften dies als Geldgeber nicht unterstützen. Sie bereiteten inzwischen rechtliche Schritte vor, hieß es. Zugleich wird der Landkreis aufgefordert, eine Notsicherung der Außenmauern in ihrer vollen Höhe anzuordnen.

Grünen-Kulturpolitikerin Maicher sieht das Vorgehen und die Kommunikation zu dem Wettbewerb ebenfalls kritisch und verwies auf die nationale Bedeutung dieses Gedenkortes. Es sei unfassbar, dass es nach so vielen Jahren dort noch immer keine Gedenkstätte gebe, sagte sie. Angesichts des neu entfachten Streits regte sie an, dass Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), zugleich Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten, moderierend in dem Streit eingreifen möge. Es müsse für alle das Ziel sein, rasch zu einer Lösung zu kommen.

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