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Kriegsverlust in Dresden: Meisterwerk Pariser Hofkunst

Trotz vieler Rückgaben und -käufe in der Vergangenheit fehlen den staatlichen Museen noch Tausende Objekte. Auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg taucht Vermisstes und Verschollenes noch wieder auf - oft im Kunstmarkt.

Sachsen hat nach fast 80 Jahren einen weiteren Kriegsverlust aus der königlichen Sammlung zurückerhalten. Mit der kostbaren Tapisserie «Die Ohnmacht der Esther» sei ein über 200 Jahre altes Stück Kunstgeschichte zurückgekommen, das in den Wirren des Zweiten Weltkriegs spurlos verschwand, sagte Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) bei der Präsentation des wiedergewonnenen Kunstwerks am Donnerstag im Dresdner Residenzschloss. Er dankte dem Auktionshaus Christie's für die Unterstützung bei der Rückführung des verloren geglaubten Wandteppichs. «Ohne Ihre Sorgfaltspflicht hätten wir gar nicht gemerkt, dass ein besonderes Objekt der Schlossausstattung die Wirren des Zweiten Weltkrieges überstanden hat.»

Das Kunstwerk aus dem späten 18. Jahrhundert wurde für eine Auktion in London eingeliefert und fiel am 23. September 2020 den Provenienzforschern von Christie's auf, die die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) informierten. Die Indizien auf dessen Herkunft aus dem Dresdner Residenzschloss bestätigten sich bei der rechtlichen Prüfung durch den Freistaat, «nach intensiven Verhandlungen gelang eine Einigung über die Rückführung» und im Juni 2021 kam der Gobelin nach Dresden, berichtete Vorjohann. Es wurde Stillschweigen vereinbart.

Die etwa 16 Quadratmeter große Tapisserie war 1809 ein Geschenk von Frankreichs Kaiser Napoleon Bonaparte an den sächsischen König Friedrich August I.. Nach dem Ende der Monarchie in Sachsen gehörte sie zu dem Teil der Ausstattung des großen Speisesaals im Residenzschloss, der als Vermögen an den Freistaat überging. Ab 1943 mit weiteren Gobelins in Schloss Schleinitz bei Meißen ausgelagert, war sie nach Kriegsende allerdings spurlos verschwunden. Verlustumstände und Verbleib der Tapisserie ließen sich nach Angaben von Vorjohann nicht vollständig aufklären.

Der Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, Marius Winzeler, sprach von einem «textilen Meisterwerk der Pariser Hofkunst», das farbenprächtig erhalten sei. Die Rückkehr des kulturhistorisch bedeutsamen und verloren geglaubten Stücks sei «ein besonderer Glücksfall». Das «luxuriöse Geschenk» Napoleons erinnere an eine herausragende Episode der sächsisch-französischen Verbindungen, die nun als «wichtige Facette europäischer Kulturgeschichte» im Residenzschloss wieder sichtbar gemacht werden könne.

Der Gobelin mit einer alttestamentarischen Szene war zwischen 1788 und 1791 in der königlichen Manufaktur in Paris gewebt worden, «in der Revolution», sagte Winzeler. Er wurde bereits in einer Spezialreinigung in Wien (Österreich) behandelt und soll ab August restauriert und konserviert werden. Im Frühjahr 2023 dann ist das wiedergewonnene Stück im Neuen Grünen Gewölbe zu sehen und ab 2025 wird es dauerhaft gezeigt, in den Paradezimmern, «wo Napoleon als einziger Kaiser tatsächlich übernachtet hat». Winzeler hofft, dass die Tapisserie nicht die letzte solche Restitution, sondern Anfang einer Folge ist. «Denn wir wissen ja von verschiedenen, wo sie sich befinden, und von weiteren gibt es diverse Recherchen.»

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