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Illies holt vergessenen Romantiker ans Licht

Mit der Ausstellung «Der letzte Romantiker. Albert Venus» im Dresdner Kupferstich-Kabinett erfüllt sich für Autor und Journalist Florian Illies ein langgehegtes Bedürfnis: den Dresdner Maler und Schüler Ludwig Richters (1803-1884) aus der Vergessenheit zu holen. «Die Liebe zu Venus ist 15 Jahre alt, sie fing zart an, wurde dann immer intensiver und kommt jetzt zum Höhepunkt», sagte der 51-Jährige, der die Schau iniierte und mitkuratierte, am Freitag vor der Eröffnung in Dresden.

Die Ausstellung versammele all das, «was man über Venus weiß». Das Team habe Bilder und Menschen gefunden, «die genau so glühende Verehrer sind». Es ist die erste große Einzelausstellung mit Werken des Landschaftsmalers, der von 1842 bis 1871 lebte. Er wurde nur 29 Jahre alt.

Mit Venus komme die Dresdner Romantik «an ihr leuchtendes Ende», sagte Illies, der auch Kunsthistoriker ist. Bei Italienreisen 1866 und 1869 aufblitzende naturalistische und impressionistische Tonlagen machten ihn «zu einer hochinteressanten Künstlerfigur inmitten einer großen ästhetischen Zeitenwende». Er habe Venus zuerst für eine Erfindung gehalten, wegen des Nachnamens, erzählte Illies. Seine Bilder schienen «so poetisch wie von einer oder einem Venus erdacht».

Über 120 Zeichnungen, Ölstudien auf Papier, Studien und Gemälde auf Leinwand geben Einblicke ins Schaffen des Künstlers, der zu Unrecht im Schatten seines Lehrers und anderer Romantiker steht. 54 sind aus eigenem Bestand, darunter acht Ölstudien und 16 Zeichnungen, die kürzlich als Schenkung des Freundeskreises in die Sammlung kamen. 62 Werke sind prominente Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen, die die Kuratoren entdeckten.

Erstmals gezeigt wird der geglückte Fund unbekannter Briefe, die die weitere Forschung zu Venus befördern, sagte Oberkonservatorin Petra Kuhlmann-Hodick. Die Korrespondenz des Künstlers aus den Jahren 1865 bis 1869 mit zahlreichen Briefen an seine künftige Frau Cäcilie Paul und an Künstlerfreunde und seinen Lehrer Ludwig Richter bildeten eine bedeutende Quelle.

Unter Kennern gebe es eine große Wertschätzung, sagte Illies. Mit der Ausstellung werde ein neuer Blick «auf diese sächsische Kunst im 19. Jahrhundert» geworfen, der zeige, wie «diese Biedermeierlichkeit» aus der Kunst Richters überwunden worden sei, «durch Malerei». Bei Venus gebe es keine Figuren mehr in der Landschaft, wie sie typisch waren bei seinem Lehrer. «Und plötzlich kriegen diese Landschaften unglaubliche Unmittelbarkeit und Frische».

Auf den in Museen und Privatsammlungen entdeckten Werken stehe Venus' Name klein und das «Schüler von Ludwig Richter» groß als das damalige Qualitätssiegel, was dann kippte und zum Schatten wurde, «aus dem er nicht mehr herauskam», erklärte Illies. Auf die Entdeckung 1932 in Dresden folgte die «unglückliche Konjunktur» des 19. Jahrhunderts im Nationalsozialismus. Es habe dann sehr lange gebraucht, «um sich von diesen falschen Freunden zu erholen».

Illies setzt darauf, dass nun weitere Venus-Bilder auftauchen. Das mit der Schau vorgelegte Werkverzeichnis umfasse etwa 150 Arbeiten zwischen 1859 und seinem Tod und damit etwa zehn Bilder pro Schaffensjahr. «Das entspricht ganz sicher nicht der Realität.»

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