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Linksextremismus-Prozess in Dresden: Kronzeuge soll aussagen

Eine Angeklagte wird im Oberlandesgericht (OLG) Dresden in den Verhandlungssaal geführt. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Eine Angeklagte wird im Oberlandesgericht (OLG) Dresden in den Verhandlungssaal geführt. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die mutmaßlichen Linksextremisten um Lina E. werden von einem Kronzeugen aus der linken Szene belastet. Am Donnerstag war er erstmals zur Vernehmung geladen. Vor dem Sitzungssaal protestierten Unterstützer der Angeklagten.

Im Prozess des Dresdner Oberlandesgerichtes gegen die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei weitere Beschuldigte steht die Vernehmung eines Kronzeugen an. Allerdings war zu Beginn der Verhandlung am Donnerstag noch unklar, ob die Öffentlichkeit bei der Zeugenbefragung anwesend sein darf. Der Anwalt des 30 Jahre alten Mannes will den Ausschluss der Öffentlichkeit für die Dauer der Vernehmung beantragen. Für die Behandlung dieses Antrages mussten die Zuschauer am Vormittag bereits den Saal verlassen.

Der Anwalt des Kronzeugen will mit seinem Antrag zum einen auf die Sicherheitsgefährdung seines Mandantes abheben, gegen den Drohungen laut geworden waren. Zudem dürfte die Relevanz seiner Aussagen eine Rolle spielen. Der 30-Jährige soll sich als eine Art Ausspäher an einer der Taten beteiligt und später gegenüber Sicherheitsbehörden die Beschuldigten belastet haben. Die linke Szene in Leipzig hatte den Mann aber schon zuvor aus ihren Reihen ausgestoßen. Er wird der Vergewaltigung verdächtigt.

Auf einer Demonstration von Sympathisanten von Lina E. wiederholte eine Rednerin am Donnerstag diesen Vorwurf. Sie mutmaßte, dass sich der 30-Jährige mit seiner Zeugenaussage an der linken Szene rächen wolle. Auf einem Plakat wurde unter anderem «politischer Verrat» angeprangert.

Bevor der Kronzeuge in den Saal kam, nahmen sechs Personenschützer mit Schusswesten Platz, vier wurden um den Zeugenstand platziert. Ein Verteidiger von Lina E. monierte den in seinen Augen martialisch wirkenden Auftritt. «So, wie sich das Szenario darstellt, können wir das nicht akzeptieren», sagte er. Ein vertrauliches Gespräch mit seiner Mandantin sei nicht mehr möglich. Auf diese Weise werde eine besondere Gefährlichkeit der Mandantin suggeriert.

Die Bundesanwaltschaft wirft der aus Kassel stammenden Studentin Lina E. sowie drei Männern aus Leipzig und Berlin vor, zwischen 2018 und 2020 Angehörige der rechten Szene in Leipzig, Wurzen und Eisenach attackiert und zusammengeschlagen zu haben. Zudem sind sie wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt, deren Anführerin Lina E. sein soll. Die 27-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, die drei Mitangeklagten sind auf freiem Fuß. Sie schwiegen bisher zu den Vorwürfen.

Die Verteidigung wirft der damals mit den Ermittlungen beauftragten Sonderkommission Linksextremismus im Landeskriminalamt Sachsen vor, «aus einer Anzahl von Körperverletzungshandlungen eine kriminelle Vereinigung zu konstruieren» und spricht von einem «politisierten Verfahren».

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