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Erklärung und DNA-Spuren im Juwelendiebstahl-Prozess

Das Landgericht Dresden. / Foto: Robert Michael/ZB/dpa
Das Landgericht Dresden. / Foto: Robert Michael/ZB/dpa

Zwei der sechs wegen des Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe Dresden im November 2019 angeklagten jungen Männer haben schon zuvor jeweils bei Überfällen in Erlangen (Bayern) und Berlin ihre DNA hinterlassen. Die Spur eines 25-Jährigen wurde bei den Ermittlungen zu einem Einbruch in eine Fachfirma für Hydraulik in Erlangen Mitte Dezember 2018 gefunden, wie Ermittler am Dienstag im Prozess am Landgericht Dresden berichteten.

Aus dem Ausstellungsraum dort wurden sieben Hightech-Geräte, gebrauchte Hydraulikspreizer und -scheren gestohlen. Die DNA eines der beiden 23 Jahre alten angeklagten Zwillinge wurde nach Angaben von Berliner Beamten Anfang November 2019 an einer Bankfiliale im Wedding sichergestellt. Und dessen Bruder erklärte dann überraschend, dass er mit dem Einbruch ins Grüne Gewölbe nichts zu tun habe.

Er sei nach einer Polizeikontrolle in der Nacht vor der Tat in Berlin ausgestiegen. «Ich wollte nach Hause», sagte er und erzählte, in der Stadt umhergelaufen und dann eingeschlafen zu sein. Von dem Einbruch habe er erst am nächsten Morgen auf seinem Handy gelesen, aber später damit geprahlt, dabei gewesen zu sein. Erstmals in Dresden gewesen sein will er bei seiner Haftrichtervorführung.

Im Zusammenhang mit dem Einbruch in Erlangen hält es ein Sachverständiger für unwahrscheinlich, dass die am Tatort gefundene Spur des 23-Jährigen indirekt dort hingekommen ist, wie von der Verteidigung behauptet. Es sei seine DNA und keine Sekundärübertragung, sagte der Gutachter.

Der junge Mann war für den Einbruch verurteilt worden, das Urteil wurde im Zuge einer Berufung aufgehoben - mit Blick auf den Prozess um den Goldmünze-Diebstahl aus dem Bode Museum Berlin 2017. Die dabei gegen ihn verhängte Jugendstrafe verbüßt er derzeit noch.

Laut Aussage Berliner Ermittler haben etwa drei Täter drei Wochen vor dem spektakulären Coup in Dresden ein Fenstergitter auf der Rückseite des Bankgebäudes im Wedding aufgebogen und die Scheibe eingeschlagen, um in die Räume einzudringen. Da die beiden Bankmitarbeiterinnen flüchteten, kamen sie aber nicht an Geld. Das Gitter soll, wie später in Dresden, zuvor durchtrennt und präpariert worden sein.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 23-Jährige einer der Täter war. «Wir überlegen, eine Nachtragsanklage gegen ihn einzureichen», sagte Oberstaatsanwalt Matthias Almang am Rande der Verhandlung. Dann müsste sich der junge Mann auch dafür noch in dem aktuellen Prozess verantworten.

Insgesamt sechs junge Männer zwischen 23 und 28 Jahren sind wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Sie stammen aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie. Am frühen Morgen des 25. November 2019 sollen sie aus dem Dresdner Museum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro gestohlen und Schäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben. Sie sollen zudem einen Stromkasten in der Altstadt und eines ihrer Fluchtautos in einer Tiefgarage angezündet haben.

«Ich habe mit all dem nichts zu tun», sagte der andere 23-Jährige vor Gericht. Nach der Polizeikontrolle am Abend des 24. November 2019 in Berlin sei er nach Hause gegangen und habe Freunde getroffen. «Ich war erstmals bei der Haftrichtervorführung in Dresden.» Er erzählte auch von seiner Kindheit, dass er faul in der Schule gewesen sei, immer falsche Freunde gehabt habe, Straftaten begangen und auch im Gefängnis gesessen habe.

Eine Streife hatte das Auto, in dem vier junge Männer saßen, angehalten, ihre Personalien aufgenommen und Einbruchswerkzeug im Kofferraum entdeckt. Ein Insasse und mitangeklagter 28-Jährige hatte im März seinen Verteidiger erklären lassen, dass er sich zwar an der Vorbereitung des Coups in Dresden beteiligte, nach der Polizeikontrolle aber ausstieg aus dem Projekt.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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