Nach nur einer Saison ist das DEL-Abenteuer für die Dresdner Eislöwen zu Ende. Mit 19 Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz und nur noch acht ausstehenden Spielen hat sich der Tabellenletzte mit dem sportlichen Abstieg abgefunden. "Wir schauen der Realität ins Auge", sagte Geschäftsführer Maik Walsdorf am Donnerstag. "Wir haben nicht die Qualität, die Liga zu halten."
Schonungslose Analyse: Zu alt, zu langsam, zu wenig bissig
Neu-Sportdirektor Jens Baxmann, erst seit einem Monat im Amt, redete Klartext: "Wir müssen erkennen, dass wir diese Saison nicht konkurrenzfähig sind. Es ist nicht alles Katastrophe, aber wir finden immer wieder Wege, uns selbst ins Knie zu schießen." Die Analyse ist eindeutig: Das Team war zu alt, zu langsam und zu wenig Biss. Der 939-fache DEL-Verteidiger erntet Lacher, als er sagte: "Einige sind über ihren Zenit. Sonst würde ich vielleicht auch noch mitspielen!"
Walsdorf ergänzte: "Vieles hat nicht gepasst. Es kamen einige Spieler nicht an ihre Leistungsgrenzen. Außerdem mussten Spieler gewisse Rollen spielen, die wir für sie so nie vorgesehen hatten." Irgendwann sei Pech auch Unvermögen, gab der Geschäftsführer zu.
Kaderplanung läuft – Mehr Geld für Leistungsträger
Sportdirektor Baxmann hat bereits einen klaren Plan: "Zu 95 Prozent steht im Mai eine DEL2-Mannschaft." Die Grundidee: jünger, schneller, mehr Gier und Bissigkeit. "Nur mit der feinen Klinke wird's schwer", so Baxmann. Er hat "ein Puzzle vor Augen" und will "ein schönes Gesamtbild hinbekommen".
Neben den laut Tag24 fünf für 2026/27 verpflichteten Spielern Felix Krüger, Bruno Riedl, Tomas Andres, Sebastian Gorcik und Janick Schwendener haben weitere Spieler laufende Verträge, die respektiert werden sollen. Torhüter Schwendener, der seinen Vertrag ligenunabhängig verlängert hat, betonte: "Ich stehe zu den Eislöwen, egal in welcher Liga wir spielen."
Eine wichtige Neuerung: Die selbst auferlegte Gehaltsobergrenze wird aufgeweicht. "Wenn wir diese Saison fünf andere Spieler gehabt hätten, würden wir nicht so da stehen", analysierte Baxmann. "Ravensburg und Bietigheim (Teams aus der DEL2, Anm.d.Red.) lassen sich auch von Top-Leuten tragen. An bestimmten Punkten sollten wir auch mal das Geld in die Hand nehmen."
Schon jetzt ist auch klar, dass Stürmer David Rundqvist keine Zukunft mehr bei den Eislöwen hat. Profi und Verein haben ihren Vertrag zum 31. Januar 2026 einvernehmlich aufgelöst. Das teilten die Blau-Weißen am Samstagnachmittag mit. Der 30‑jährige Deutsch‑Schwede, zuletzt an die Düsseldorfer EG ausgeliehen, setzt seine Karriere beim EV Landshut fort. Rundqvist absolvierte seit 2021 insgesamt 165 Spiele für Dresden, erzielte 42 Tore und gab 77 Assists. Nach einer langen Verletzung sollte er behutsam zurückgeführt werden, Spielpraxis war im aktuellen Kader jedoch nicht mehr möglich.
Trainer-Frage offen – Tscheche Subr im Gespräch
Die größte Baustelle ist die Trainerfrage. Gerry Fleming hat nur einen Vertrag für die DEL. "Wir werden uns nach Ende der Spielzeit mit ihm unterhalten und eine Entscheidung treffen", sagte Baxmann – was eher nicht für eine Fortsetzung spricht. Laut Eishockey-Insider "RinkRat" soll Bohuslav Subr von den Ravensburg Towerstars die Dresdner übernehmen. Auch bild.de und sächsische.de berichteten darüber. Der 45-jährige Tscheche holte 2022 mit den Löwen Frankfurt den DEL2-Titel und schaffte den Aufstieg. Egal, wer Trainer wird oder bleibt: Als Neuerung will Baxmann einen Torwart-Trainer einstellen. Zudem bleibt Urgestein Petteri Kilpivaara für die Athletik zuständig.
Budget von sieben Millionen Euro – Meisterschaft 2027 im Visier
Das Budget soll nur um eine Million Euro auf bis zu sieben Millionen Euro sinken. Die klare Ansage von Walsdorf: "Der Klub gehört so schnell wie möglich wieder hoch. In meiner Wahrnehmung sind wir – außerhalb des rein sportlichen – im Vergleich mit allen anderen Standorten eine Bereicherung für die DEL und wir gehören infrastrukturell dorthin."
Die Zweitliga-Meisterschaft 2027 ist fest im Blick. "Wir haben immer die große Vision, uns in der DEL zu etablieren. Es wäre jetzt fatal, wenn wir nicht unter die Top 6 der DEL2 kommen wollen und möglichst lange in den Play-offs präsent zu bleiben", präzisierte Walsdorf die Erwartung.
Für den unwahrscheinlichen Fall eines DEL-Verbleibs hat Baxmann einen Notfallplan: "Dann haben wir viel mehr Ausländerlizenzen. In dem Moment brauchst du eine Granate im Tor und eine erste Reihe, die jedes Spiel Tore schießt." Walsdorf hofft allerdings "für den Sport", dass der DEL2-Meister aufsteigt und es damit einen regulären Absteiger gibt. Die sportliche Entscheidung fällt Ende April, die wirtschaftliche dann im Mai.