Dresden will den Wohnungsbau beschleunigen und setzt dabei auf den sogenannten „Bauturbo“. Dieses neue Instrument basiert auf Änderungen im Baugesetzbuch des Bundes und soll es Städten ermöglichen, schneller und effizienter neue Wohnungen zu genehmigen und zu bauen. Die Stadtverwaltung bereitet derzeit einen Grundsatzbeschluss für den Stadtrat vor, um die Anwendung des Bauturbos auf kommunaler Ebene zu regeln.
Hintergrund ist eine aktualisierte Wohnbedarfsprognose, die zeigt: Bis 2035 braucht Dresden rund 21.000 neue Wohnungen. Das entspricht etwa 1.900 Wohnungen pro Jahr. Für Baubürgermeister Stephan Kühn sind das keine Zahlen, die Anlass zur Sorge geben. "Wir sind darauf gut vorbereitet", sagte er bei einer Pressekonferenz am Freitag. Die verfügbaren Flächen der Stadt deckten den Bedarf gut ab.
Dieser ist besonders bis 2030 mit jährlich rund 2.300 Wohnungen hoch, was unter anderem auf das Bevölkerungswachstum und den Ausbau der Chipindustrie im Dresdner Norden zurückzuführen ist. Danach sinkt der Bedarf auf etwa 1.440 Wohnungen pro Jahr. Die gute Nachricht: Die vorhandenen Potenziale liegen 27 Prozent über den benötigten Flächen. Die Stadt will sich daher auf die Umsetzung bereits geplanter Projekte konzentrieren, vor allem an gut angebundenen Standorten. Gebaut werden soll vor allem flächensparend in mehrgeschossigen Gebäuden.
Allerdings ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen zuletzt gesunken. Während zwischen 2016 und 2022 jährlich im Schnitt 2.300 neue Wohnungen entstanden, waren es 2023 und 2024 nur noch etwa 1.700. Grund dafür sind vor allem gestiegene Bau- und Finanzierungskosten. Um gegenzusteuern, setzt Dresden neben dem Bauturbo auf digitale Bauanträge. Zudem könnte der Stadtrat zum Beispiel mit der Novellierung der Stellplatzordnung helfen, Baukosten zu senken. Bislang ist pro Wohneinheit ein Stellplatz vorzuhalten, bei Soziawohnungen gilt ein Wert von 0,6.
Der Bauturbo soll helfen, geeignete Flächen schneller planerisch vorzubereiten und intensiver zu nutzen. Damit können Bauvorhaben zügiger genehmigt werden. Baubürgermeister Stephan Kühn betont, dass Dresden die neuen Regelungen begrüßt. Bereits 2024 habe man mit der Bauantragskommission Wohnungsbau erste Schritte unternommen, um Genehmigungen zu beschleunigen. Der Bauturbo sei vor allem ein Genehmigungsturbo, dürfe aber nicht zum Spekulationsturbo werden. Deshalb knüpft die Stadt die Anwendung an die Bedingung, dass innerhalb von drei Jahren nach Genehmigung mit dem Bau begonnen wird. Nur so könne sichergestellt werden, dass die dringend benötigten Wohnungen auch tatsächlich entstehen. Zudem müsse die Förderung für sozialen Wohnungsbau wirtschaftlich attraktiv sein, damit der Bauturbo seine volle Wirkung entfalten kann.
Da der Bauturbo in die Planungshoheit der Kommunen eingreift, ist seine Anwendung nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Stadt möglich. Dresden will mit dem geplanten Grundsatzbeschluss klare Zuständigkeiten und Abläufe schaffen. Für Bauherren und Investoren bedeutet das: Ob der Bauturbo im konkreten Fall genutzt werden kann, sollte vorab mit der Bauaufsicht und dem Amt für Stadtplanung und Mobilität geklärt werden. "Der Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Einsatz des Bauturbos ist die Kommunikation im Vorfeld", sagte Andreas Feldmann, der Abteilungsleiter Verwaltung und Recht der Landeshautpstadt, am Freitag eindringlich. Die Regelungen sollen unabhängig von der Größe eines Bauvorhabens gelten. Bei größeren Projekten ist vorgesehen, dass der Stadtrat entscheidet. Zudem soll über das Kooperative Baulandmodell ein Anteil an gefördertem Wohnungsbau gesichert werden, damit auch Haushalte mit geringem Einkommen von neuen Wohnungen profitieren.
Die Wohnbedarfsprognose, auf der die Planungen beruhen, wurde vom Forschungsinstitut Timourou auf Basis der kommunalen Bevölkerungs- und Haushaltsprognosen 2023 erstellt. Erstmals wurden dabei auch Potenziale im Bestand – etwa durch Umnutzung oder Aufstockung – berücksichtigt. Andere Institutionen kommen zu abweichenden Einschätzungen: Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung geht nur von 1.100 benötigten Wohnungen pro Jahr aus, das Pestel-Institut hingegen von 3.900. Die Stadtverwaltung hält letztere Zahl für deutlich überhöht – sie befürchtet Leerstand und unnötigen Flächenverbrauch, sollte man sich an dieser Prognose orientieren.