Im künftigen Baufeld für den Neubau der Carolabrücke sind bei der laufenden Kampfmittelsondierung 31 sogenannte „Störstellen“ in zwei bis vier Metern Tiefe entdeckt worden. 29 davon gelten laut Experten als unkritisch. Zwei Ortungen weisen jedoch größere Anomalien auf – hier besteht der Verdacht auf Bombenblindgänger.
„Wir brauchen Sicherheit auf dem Baufeld der neuen Carolabrücke, darum lief seit September 2025 die Kampfmittelsondierung“, sagte Dresdens Sicherheitsbürgermeister Jan Pratzka am Mittwoch bei einem Pressetermin. „Wir wollen den Zeitvorteil nutzen. Aktuell besteht keine akute Gefahr, aber aufgrund zweier Verdachtsfälle eine Vorsorgelage.“
Untersuchung der Elbwiesen auf Neustädter Seite gestartet
Seit Montag, 16. Februar 2026, werden auf den Elbwiesen zwischen Elbe und Elberadweg zunächst die als unkritisch eingestuften Störstellen geöffnet. Der Bereich ist mit einem Bauzaun gesichert, Elbe und Elberadweg bleiben vorerst uneingeschränkt nutzbar. Die Arbeiten werden durch die Dresdner Bohrgesellschaft mbH (DBG) im Auftrag des Straßen- und Tiefbauamts durchgeführt und dauern voraussichtlich bis Mitte März. Der Fortschritt hängt unter anderem vom Grundwasserpegel und der Witterung ab.
„Im Bereich der Neustädter Seite wurden 31 Störstellen gefunden“, berichtet Dr. Michael Katzsch, Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes. „Die Änderungen des Erdmagnetfelds sind nicht natürlichen Ursprungs. Bei 29 Störstellen gehen wir aufgrund der Größe nicht davon aus, dass es sich dabei um Bomben handelt. Zwei Stellen haben größere Anomalien – das könnten theoretisch auch Rohre sein, was aber aufgrund der Lage unwahrscheinlich ist.“
Zwei Verdachtsstellen mit Evakuierungspotenzial
Ab Montag, 9. März 2026, sollen – vorbehaltlich eines planmäßigen Verlaufs – die beiden besonderen Verdachtspunkte überprüft werden. Sollte sich dabei ein scharfer Bombenblindgänger bestätigen, kann in der Woche vom 9. bis 13. März eine Entschärfung mit Evakuierung notwendig werden.
„Jeder Störpunkt wird einzeln abgearbeitet, für die kleinen Punkte reicht die Absperrung mit dem Bauzaun aus“, so Katzsch. „Für die größeren Stellen ist eine Absperrung im Radius von 150 Metern nötig, was auch die Sperrung des Elberadwegs auf der Neustädter Seite erforderlich macht. Für Radfahrer wird es aber eine Umleitung geben. Gebäude sind von der Sperrung nicht betroffen.“
Das potenzielle Evakuierungsgebiet umfasst einen Radius von 1.000 Metern um die mutmaßliche Fundstelle am Neustädter Elbufer. Betroffen wären rund 18.000 Menschen – etwas mehr als bei der Evakuierung im August 2025. Im Gebiet liegen unter anderem Landesbehörden, Gerichte, das Neue Rathaus, mehrere Pflegeeinrichtungen und Kitas.
Information und Vorsorge
Die Landeshauptstadt Dresden informiert unter www.dresden.de/bombe sowie über ihre Social-Media-Kanäle. Eine Bürgerhotline ist unter 0351-4887666 erreichbar. Der potenzielle Evakuierungsbereich ist bereits im Themenstadtplan abrufbar. Im Ereignisfall erfolgt die Warnung zusätzlich über das Modulare Warnsystem des Bundes und Warnapps wie NINA.
Die Stadt bittet alle im möglichen Evakuierungsgebiet, sich vorsorglich auf eine Evakuierung ab dem 9. März einzustellen. Wer keine private Unterkunftsmöglichkeit hat, kann eine Notunterkunft in der Messe Dresden nutzen. Sollte bereits vor dem 9. März ein Fund erfolgen, kann auch kurzfristig eine Evakuierung notwendig werden.
Altstadt-Ufer bereits sondiert – keine weiteren Bombenfunde
Die Sondierungsarbeiten am Elbufer auf der Altstädter Seite wurden bereits Ende 2025 abgeschlossen. Dort wurden mehr als 1.300 Sondierungsbohrungen durchgeführt. Rund 20 bis 30 Störstellen wurden überprüft – Bombenfunde gab es keine.
Beim Abriss der alten Carolabrücke im Jahr 2025 waren jedoch im Januar und August Bomben und Blindgänger entdeckt worden. Deshalb wurde im Rahmen der Planungsphase für den Neubau eine vorsorgliche Untersuchung des gesamten Baufeldes veranlasst.