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6 Gedanken, was Politik vom Fußball lernen kann

22.08.2019 von

Foto: Thomas Wolf

Der liebste Sport der Deutschen ist Fußball und darum versuche ich mich mit dieser Analogie dem zu nähern, was unsere Gesellschaft und Sachsen benötigt. Klare Spielregeln, die es ermöglichen, dass das Spiel gespielt werden kann und nicht jeder Schritt ausdiskutiert werden muss. Dies gilt gleichermaßen auch für Schach, Handball, den Dackelverein oder auch die Funktionsweisen in einem Motor. All diese Konstrukte sind Systeme und Systeme funktionieren nur dann, wenn alles aufeinander abgestimmt ist und reibungslos funktioniert.
Ein Motor hat starre Systemkomponenten, die, wenn sie gut geölt und gepflegt werden, ewig halten. Wenn doch mal ein Teil kaputt geht, wird es durch ein neues gleiches Teil ersetzt. Menschliche Systeme funktionieren im Prinzip ganz ähnlich, nur kann man eben nicht einen Menschen durch einen anderen gleichen Menschen ersetzen, denn jeder ist individuell. Aus diesem Grund verändern sich menschliche Systeme und Gruppengefüge sofort, wenn sich ein Teil des Systems ändert. Das ist zwangsläufig so, wird aber nicht immer sofort wahrgenommen. Wenn man sich dessen aber bewusst ist, dann kann man sehr viel bewegen - so wie im Fußball.

Fällt ein Tor für die eigene Mannschaft, verändert sich das System. Vielleicht wird man defensiver. Fällt ein Tor für die andere Mannschaft, verändert sich das System. Vielleicht wird man offensiver. Wird ein Spieler der eigenen Mannschaft ausgewechselt, verändert sich das System. Wechselt der Gegner, ändert sich das System. Ein guter Trainer muss all die möglichen Systeme kennen, seine Mannschaft darauf vorbereiten und dann entsprechend spielen. Mannschaften, die das sehr gut beherrschen und eine Spielidee entwickeln gewinnen die Champions League oder werden Weltmeister.

Jetzt vergleichen Sie mal eine sehr gute Fußballmannschaft mit der aktuellen Situation in Deutschland oder Sachsen! Fällt Ihnen etwas auf? Im Moment nutzen wir Unmengen an Eisspray, um mit den gleichen verletzten Spielern und alten Ideen, den sich verändernden Bedingungen zu begegnen. Ob das klappt? Nun ja, man kann davon träumen, während andere einfach machen und gewinnen werden.

Es braucht eine Spielidee, die die meisten Menschen überzeugt

Menschen sind unterschiedlich. Kein Mensch gleicht dem anderen. Es gibt proaktive Menschen, die anpacken und nach vorn vollen, es gibt reaktive Menschen, die auf proaktive Menschen und veränderte Situation reagieren. Es gibt Menschen, die veränderte Situationen wahrnehmen und von anderen Menschen gesagt bekommen, wie sie darüber zu denken haben.

Sicherheit

Gefühlte Unsicherheit sorgt dafür, dass der Mensch ganz automatisch und instinktiv in den Wachsamkeitsmodus wechselt und auf alles achtet, was ihm gefährlich werden könnte. Was ungefährlich oder sogar gut sein könnte, wird ausgeblendet. Heute werden unsere Instinkte durch Algorithmen verstärkt, es entstehen digitale Filterblasen, die die Realität einseitig verzerrt darstellen.
Die Aufgabe der Politik muss sein, dass ein Gefühl von Sicherheit entsteht. Dabei sind 1.000 weitere Polizisten für Sachsen aber leider nur Eisspray. Es braucht aber kein Eisspray, sondern Ideen, wie konsequent und schnell auf Fehlverhalten (Gesetzesverstöße) reagiert werden kann. Wie im Fußball muss „die Strafe auf dem Fuße folgen“: Für einen Verstoß gegen Regeln gibt es die gelbe, gelb-rote oder die rote Karte mit einem Platzverweis. Wenn Fehlverhalten keine Konsequenzen hat, dann gibt es zwangsläufig Unruhe im System, denn die anderen merken, dass hier etwas nicht stimmt.

Bildung und Sprache

Wer Fußball spielen will, muss nicht nur die Regeln kennen und die Technik beherrschen, sondern auch eine Sprache sprechen. Der Spieler muss den Trainer, seine Mitspieler und den Schiedsrichter verstehen (wollen). Wer etwas werden will, muss die Regeln kennen und wer sie dann noch für sich nutzen kann, gewinnt.

Anreize und Motivation

Menschen brauchen eine Aufgabe, die ihren Talenten entspricht und die sie erfüllt. Sie brauchen ein Spielfeld, auf dem sie „sein“ dürfen. Sie müssen Freude an unserem Spiel entwickeln und Teil der Mannschaft werden. Dazu braucht aber jeder eine Spielerlaubnis.
Wer nichts machen darf, macht Quatsch. Wer lange Quatsch macht entrückt der Gesellschaft und gewöhnt sich dran und entwickelt eigene Spiele und Regeln auf eigenen Spielfeldern. Wenn dieses Spiel dann auch noch Geld abwirft, egal ob aus Transferleistungen oder aus illegalen Geschäften, wird es irgendwann gemütlich und die Macht der Gewohnheit setzt ein. Um jetzt noch eine Veränderung herbeizuführen, bedarf es schon sehr viel „gefühlte Notwendigkeit“ beim Betroffenen.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Antoine de Saint-Exupéry

Empathie und Verständnis

Menschen sind wie sie sind, weil sie in ihrem bisherigen Leben durch bestimmte Verhaltensmuster überlebt haben. Wir erwarten von allen, die unser Spiel mitspielen wollen, dass sie Spielregeln einhalten, die sie nicht kennen, uns aber in Fleisch und Blut übergegangen sind. Wir verhalten uns unterbewusst „richtig“, um zu leben oder zu überleben. Die anderen auch, nur anders.

Wenn wir uns bewusst machen, dass das so ist und ab und zu die Perspektive wechseln, wenn wir etwas bewerten, läuft unser Leben wesentlich ruhiger. Manche Menschen können das, andere nicht, auch dafür sollte Verständnis aufgebracht werden.
Diesen Punkt sollten sich besonders auch Politiker zu Herzen nehmen, wenn sie über Menschen urteilen und Entscheidungen treffen.

Willen und Hunger

„Wer nicht will findet Gründe, wer will, einen Weg.“

In diesem Spruch steckt sehr viel Wahrheit und wenn wir ehrlich sind, wie oft haben wir Bedenken, anstatt an kreativen Lösungen zu arbeiten? Bedenken sind ein wunderbares Alibi dafür die Dinge so zu lassen wie sie sind. Nur das können wir nicht mehr. Alles – die Umwelt, die Wirtschaft - um uns verändert sich, nur wir nicht.

Welche Nationen steigen denn gerade auf? Richtig, die, die lange Nichts hatten, die, die hungrig sind unseren Lebensstandard zu erreichen. Und wir? Wir haben Essen im Überfluss, wir haben eine warme Wohnung, Autos, Spaß. Kurzum, wir sind satt, wir haben nichts mehr worauf wir gesellschaftlich hinarbeiten wollen. Wir müssen wieder hungrig werden.

Und der Fußball? Wie schafft es eine Fußballmannschaft wie der FC Bayern München jede Saison, jedes Spiel hungrig auf den Sieg zu sein, obwohl sie schon alles gewonnen haben? Weil der Trainer mit der Mannschaft redet und es schafft, vor jedem Spiel das Feuer neu zu entfachen, damit die Einstellung stimmt. Denn nur wenn die Einstellung stimmt, stimmt das Verhalten und damit dann auch das Ergebnis.

Ehrliche nachvollziehbare Kommunikation

Wenn ich weiß, was mich erwartet, dann kann ich mich darauf einstellen. Wenn ich das Ziel kenne und es erreichen will, dann gehe ich auch einen unbequemen Weg. Wenn ich jedoch nicht weiß, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden, wenn ich nicht weiß, was mich erwarten kann, dann werde ich skeptisch und fange an mir Gedanken zu machen. Insbesondere dann, wenn ergänzende Informationen aus unterschiedlichen Quellen auf mich einströmen und durch die Filterblasen Objektivität verloren geht. Die Folge: Das Vertrauen schwindet und damit die Unterstützung.

Wenn ein Fußballtrainer seine Mannschaft unvorbereitet und ohne Spielidee in ein wichtiges und entscheidendes Spiel führt und die Mannschaft nicht auf den Gegner vorbereitet, dann kann das Spiel nicht gewonnen werden. Und wenn der Trainer keine Ahnung hat was die Spieler erwarten kann, dann muss er es seinem Team sagen. Er muss das Team auf diese Unsicherheit vorbereiten und darf sich nicht darauf verlassen, dass es schon wird – auch wenn es schon wird. Die Masse der Menschen hat niemals gelernt Selbstvertrauen aufzubauen und braucht klare, ehrliche, nachvollziehbar Kommunikation und jemanden, der sich kümmert. Leider.

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