Im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst der Länder haben sich in Leipzig etwa 1.000 Menschen versammelt, um für höhere Löhne zu streiken, wie die Polizei mitteilte. Die Bildungsgewerkschaft GEW, der sächsische Lehrerverband und der Beamtenbund riefen zu diesem Warnstreik auf. Die GEW schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 1.200.
Neben Lehrkräften waren auch Mitglieder der Gewerkschaft der Polizei und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt anwesend, da auch sie von den Verhandlungen betroffen sind.
Mehr Druck für Verhandlungen im Februar
Die GEW hofft, durch die Warnstreiks den Druck auf die Verhandlungen Mitte Februar zu erhöhen, erklärte Burkhard Naumann, der Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen. «Am Freitag wird die Streikwelle nach Dresden weiterrollen, Anfang nächster Woche nach Südwestsachsen und Ostsachsen», so Naumann.
«Die Aufgabendichte an Schulen und Hochschulen nimmt immer mehr zu. Der Stress ist extrem hoch», erklärt Naumann. Die Arbeitsbedingungen an Schulen sind schlecht und es mangelt an Wertschätzung für die geleistete Arbeit.
Claudia Behrendt, Grundschullehrerin in Leipzig, bringt ähnliche Bedenken zum Ausdruck. «Es wird immer schlechter bei den Bedingungen», erklärte Behrendt. Lehrer müssen längst mehr leisten als nur unterrichten. Kinder mit besonderem Förderbedarf benötigen viel Aufmerksamkeit. Insgesamt haben sich die Bedingungen verschlechtert. «Die Kollegen sind alle erschöpft», so Behrendt. Sie wundert sich, dass viele ihrer Kollegen die Arbeit weiterhin «super machen».
Weitere Unterrichtsausfälle erwartet
Mit der bundesweiten Streikankündigung drohen in der nächsten Woche weitere Unterrichtsausfälle. «Streiks an Schulen führen natürlich auch zu Unterrichtsausfällen», sagte Naumann. Eine Notbetreuung wird jedoch in jedem Fall eingerichtet, sodass keine Schule schließen muss. Verbeamtete Lehrer werden den Unterricht regulär fortführen.
Warum streiken die Lehrkräfte?
Die Gewerkschaften fordern für über 920.000 Tarifbeschäftigte der Länder sieben Prozent mehr Einkommen – mindestens jedoch 300 Euro. Der Tarifvertrag gilt nicht nur für Lehrer, sondern auch für viele andere Berufe. Rund 2,2 Millionen Menschen sind bundesweit betroffen, und der Abschluss soll auf etwa 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte übertragen werden. Die entscheidende Verhandlungsrunde ist für den Zeitraum vom 11. bis 13. Februar geplant.
Arbeitgeberseite bereit, zentrale Forderungen zu erfüllen
Die Arbeitgeberseite kritisiert die Ausweitung der Streiks. Die Länder hätten Eckpunkte für einen Einigungskorridor vorgelegt, erklärte Andreas Dressel, der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Man sei bereit, zentrale Forderungen der Gewerkschaften zu erfüllen. Der Korridor umfasst unter anderem «eine mögliche Entgelterhöhung etwas über der Inflation in drei Schritten über drei Haushaltsjahre».
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