Die Zahl rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Vorfälle an sächsischen Schulen hat 2025 einen besorgniserregenden Höchststand erreicht. 2025 wurden 247 entsprechende Vorfälle gemeldet – so viele wie nie zuvor, wie aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Christin Melcher hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von fast 60 Prozent – 2024 waren es noch 155 gemeldete Fälle.
Konkrete Beispiele zeigen erschreckende Dimension
Die Bandbreite der Vorfälle reicht von Hakenkreuzen im Klassenchat und Hitlergruß auf dem Pausenhof bis zu antisemitischen Beleidigungen und Bedrohung von Lehrkräften. Bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zeigten im März 2025 vier Neuntklässler aus Görlitz eine rechtsextreme Geste, die sich schnell über soziale Medien verbreitete. Auch in Greifswald kam es zu ähnlichen Vorfällen. Ein CDU-Politiker zitierte einen sächsischen Grundschüler mit den Worten: „Die Schwarzen müssen aussterben, damit die Weißen es besser haben."
Experten wie der Leipziger Rechtsextremismus-Forscher Johannes Kiess sprechen von einem besorgniserregenden Trend. Lehrkräfte berichten, dass das Selbstbewusstsein, mit dem Menschenverachtung geäußert wird, viel größer geworden ist. Nina Gbur vom Netzwerk für Demokratie und Courage Sachsen beobachtet eine neue Qualität: Immer häufiger gebe es an Schulen Gruppen Jugendlicher, die Angst und Schrecken verbreiteten.
Grüne fordern umfassendes Maßnahmenpaket
Christin Melcher, bildungs- und jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, zeigt sich alarmiert: „Die Ausbreitung des Rechtsextremismus in den sächsischen Klassenzimmern sollte uns alle aufschrecken. Hinter den 247 gemeldeten Vorfällen stehen Ausgrenzungserfahrungen für Schülerinnen und Schüler oder Lehr- und Fachkräfte. Wir müssen diesem Klima der Angst und Intoleranz entschlossen entgegentreten."
Mit einem Antrag im Sächsischen Landtag fordert die Grünen-Fraktion konkrete Maßnahmen. Dazu gehören eine niedrigschwellige Meldestelle für Betroffene, klare Handlungsketten für Schulen beim Umgang mit Vorfällen sowie Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte zu Themen wie Rechtsradikalisierung und digitaler Hassrede. Zudem sollen unabhängige Beratungsangebote für betroffene Kinder und Jugendliche ausgebaut und Demokratiebildung fest im Schulalltag verankert werden.
Dunkelziffer vermutlich deutlich höher
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass die registrierten Fälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Zum Teil gehe der Anstieg auch darauf zurück, dass Schulleitungen inzwischen stärker für besondere Vorkommnisse sensibilisiert wurden. Dennoch würden längst nicht alle Vorfälle gemeldet.
Kultusminister Conrad Clemens mahnte bei einer Landtagsdebatte im Mai 2025, an Schulen müsse gelten: „Keine Toleranz gegenüber Rechtsextremismus." Der Kampf gegen Extremismus sei von zentraler Bedeutung. Die Grünen betonen, dass Schulen nicht neutral sein dürften: „Dort wo verfassungsfeindliche Hetze und Symbole auftauchen, muss klar Position ergriffen werden", so Melcher.
Weitere Informationen zum Thema und zu den geforderten Maßnahmen finden sich in der Kleinen Anfrage von Christin Melcher (Drs 8/5054) sowie im Antrag der Grünen-Fraktion „Jugend schützen, Zusammenhalt stärken" (Drs 8/5640).