Die Nase läuft, der Hals kratzt, aber die Präsentation muss fertig werden, das Projekt abgegeben werden. Viele Menschen kennen das Dilemma. Sie schleppen sich krank zur Arbeit, weil wichtige Termine anstehen oder sie das Team nicht im Stich lassen wollen. Doch dieser scheinbar pragmatische Entschluss hat Folgen, die unterschätzt werden. Forschende der TU Chemnitz haben gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Groningen und Bonn untersucht, was mit Menschen passiert, die trotz Krankheit arbeiten.
Nicht die Krankheit erschöpft, sondern das Weiterarbeiten
Die Forschenden prüften, ob andere Faktoren die Erschöpfung verursachen könnten. Sie berücksichtigten Krankheitssymptome, Arbeitsbelastung und Zeitdruck. „Die Erschöpfung ist also nicht einfach eine Folge der Krankheit selbst, sondern vor allem eine Folge des Verhaltens, trotzdem weiterzuarbeiten", betont Prof. Dr. Christine Syrek von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.
Prof. Dr. Bertolt Meyer von der TU Chemnitz leitet aus der Studie klare Empfehlungen ab. Betriebe sollten Beschäftigte aktiv dazu ermutigen, sich bei Krankheit auszukurieren. So ließen sich nicht nur Ansteckungen vermeiden, sondern auch mittelfristige Kosten durch verringerte Leistungsfähigkeit. Seine Botschaft an Beschäftigte lautet: „Ausruhen ist keine Schwäche, sondern eine Investition in nachhaltige Leistungsfähigkeit."