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«Menschen werden frieren»: Kohlenhändler schlagen Alarm

Ein Mann trägt Säcke mit Braunkohlenbriketts auf seinen Autoanhänger. / Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Ein Mann trägt Säcke mit Braunkohlenbriketts auf seinen Autoanhänger. / Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Hohe Energiepreise haben den Handel mit Kohlebriketts in Sachsen wieder angekurbelt. Nun gibt es auch hier kaum noch Nachschub und die Preise sind enorm gestiegen.

Seit dem russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ist die Nachfrage nach Festbrennstoffen wie Holz und Kohlebriketts in Sachsen erheblich gestiegen. «Die Händler haben bereits deutlich mehr Mengen verkauft als die letzten Jahre und haben nun auch keine Vorräte mehr», sagte der Vorsitzende des sächsischen Brennstoff- und Mineralölhandelsverbandes, Raimond Senzel. In Bezug auf die Verfügbarkeit und die Preisentwicklung sei die Lage sehr angespannt.

Senzel schätzt, dass der Handel etwa 40 Prozent mehr Briketts als im Vorjahr ausgeliefert hat. Wer zuvor seinen Kamin nur zu Weihnachten befeuerte, stelle nun auf Dauerbetrieb um und verbrauche statt 300 Kilogramm pro Jahr nun zwei Tonnen.

Auf der Internetseite des Kohlenhändlers Jürgen Enze in Leipzig steht bei fast allen Produkten «zur Zeit nicht verfügbar». Für einige Produkte gebe es seit August einen Annahmestopp. «Ich habe viel bestellt, bekomme aber nur einen Bruchteil und muss meine Kunden immer wieder vertrösten. Es werden einige Menschen im Winter frieren, weil sie keine Kohle mehr bekommen.» Er selbst fürchtet um seine Existenz. «Es ist ja fast ein Berufsverbot». Die Preise sind auch deutlich gestiegen. Im letzten Jahr kostete ein Zentner Lausitzer Rekord Brikett 12,50 Euro, in diesem Jahr sind es 22 Euro.

Die Rohkohle werde für die Stromversorgung verwendet, und kaum noch für die Brikettherstellung, betonte Tom Adametz vom Brennstoffhandel Kohlen Sparen in Grimma. «Dabei bräuchten wir gerade jetzt in der Energiekrise und bei den extrem hohen Kosten für Gas deutlich mehr Kohle für die Öfen in den Wohnungen». Besonders hart treffe es die vielen Menschen mit einem geringen Einkommen, die oftmals in nicht besonders hochwertig sanierten Wohnungen lebten und gar keine Alternative zum Kohleofen hätten.

«Bei mir stehen die Kunden Schlange, aber ich musste die Abgabemenge bereits auf 500 Kilogramm pro Person rationieren», betonte Adametz. Mit der Menge komme man eine Weile über die Runden, sie reiche aber auf gar keinen Fall für den ganzen Winter. Zudem hätten sich die Preise im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Laut Verband gibt es für den Engpass bei den Braunkohlebriketts zwei grundlegende Ursachen. Mit der Einstellung der Produktion im rheinischen Revier zum Ende vergangenen Jahres sind etwa 50 Prozent Marktanteil nicht mehr gedeckt. Zudem stellten viele Verbraucher seit dem Krieg in der Ukraine und der damit dramatisch steigenden Kosten für Gas und Heizöl auf Festbrennstoffanlagen um.

Auch bei Holzbrennstoffen sieht es laut Verbandschef Senzel nicht besser aus. Etwa 30 Prozent der Importe mit Schwerpunkt Holzbriketts sind demnach wegen der Kriegsfolgen dieses Jahr ausgefallen. So habe Bosnien, ebenfalls ein großer Exporteur von Holzbrennstoffen, seit Monaten ein Ausfuhrverbot für Brennstoffe aller Art.

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