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Sachsenhuhn hat wieder mehr Fans: Rettungsprogramm hilft

Ein gesperbertes Sachsenhuhn auf einem Geflügelhof. / Foto: Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa
Ein gesperbertes Sachsenhuhn auf einem Geflügelhof. / Foto: Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa

Seit rund 140 Jahren gackern und scharren Sachsenhühner nicht nur im Erzgebirge. Doch das Tier, das sich auch im raueren Gebirge wohl fühlt, ist vom Aussterben bedroht. Seit einigen Jahren hat es nun wieder mehr Fans - auch dank eines speziellen Rettungsprogramms.

Im Ringen um das vom Aussterben bedrohte Sachsenhuhn zahlt sich das Zuchtprogramm aus. Dieses Jahr seien noch einmal rund 500 Küken geschlüpft, sagte Eva Lehmann vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft der Deutschen Presse-Agentur. Sie schätze, dass etwa 100 Jungtiere für die Zucht geeignet seien; die anderen würden an Hühnerhalter zur Selbstversorgung mit Eiern und Fleisch abgegeben. Das Sachsenhuhn entstand um 1880 durch Kreuzungen im Erzgebirge und gilt als robuste Zweinutzungsrasse: Es legt etliche Eier, setzt aber auch Fleisch an.

Doch war diese Hühnerrasse in den vergangenen Jahrzehnten sehr selten geworden und die Zahl auf wenige Hundert Tiere geschrumpft. Eine Seuche etwa, so befürchteten Experten, könnte zu ihrem Aussterben führen. Außerdem birgt eine geringe Tierzahl die Gefahr vermehrter Inzucht. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen führt das Sachsenhuhn auf seiner Roten Liste und stuft es als «extrem gefährdet» ein. Damit teilt es das Schicksal anderer Hühnerrassen wie den schwarzen Augsburgern, den Bergischen Schlotterkämmen und den Nackthalshühnern.

Um das Sachsenhuhn zu retten war 2020 ein Zuchtprogramm ins Leben gerufen worden. Im Auftrag des Biosphärenreservats werden im Brutschrank eines Geflügelzüchters in Reichenbach (Landkreis Bautzen) Eier ausgebrütet und die Küken aufgezogen. Die Jungtiere werden dann in die Obhut von Züchtern und Hühnerhaltern gegeben.

Allein auf den jüngsten Aufruf im März hin haben sich etwa 300 Interessenten gemeldet, wie Lehmann erklärte. «Das sind genügend für dieses Jahr.» Es habe auch viele Anfragen von außerhalb der Region gegeben. Vorrangig seien bisher aber Züchter aus Ostsachsen berücksichtigt worden - aus praktischen Gründen. Denn wer einen Zuchtstamm erhielt, von dem wurden im Jahr darauf Bruteier für die nächste Hühnergeneration des Programms eingesammelt.

Über die Erfahrungen aus dem Projekt und die weiteren Perspektiven für diese seltene Hühnerrasse wird am Freitag bei einem Kolloquium in Malschwitz (Landkreis Bautzen) beraten. Dazu stehen Vorträge auf dem Programm - auch zu Tipps einer artgerechten Hühnerhaltung, wie das Biosphärenreservat informierte. Zudem ist eine kleine Tierschau zu den vier Farbschlägen des Sachsenhuhns geplant.

Auch wenn das Zuchtprojekt nun nach drei Jahren zu Ende gehe, sollen die Anstrengungen um diese Rasse weitergehen, betonte Lehmann. Darüber werde am Freitag ebenfalls gesprochen. «Das Ganze soll sich verstetigen auch ohne die Koordination durch das Biosphärenreservat.» Matthias Knoll, Vorsitzender des Sachsenhuhn-Sondervereins, ist zufrieden mit dem bisherigen Erfolg des Projekts. Daher sei der Verein zusammen mit dem bereits beteiligten Geflügelhof bestrebt, die Anstrengungen zur Rettung der Hühnerrasse fortzusetzen.

«Es gibt mehr Tiere und mehr Halter, die sich mit dieser Rasse beschäftigen», meinte Knoll. «Wir hoffen aber, dass sich noch mehr Halter entscheiden auch Züchter zu werden.» Sonst könnten die Fortschritte in wenigen Jahren hinfällig werden. In seinem Verein sind den Angaben zufolge derzeit 45 Züchter organisiert; etwa eine Handvoll sei in den vergangenen Jahren neu hinzu gekommen. «Es wäre gut, wenn es noch mindestens zehn ernsthafte Züchter mehr gäbe», schätzt er auf die Frage, wie viele es für einen dauerhaften Erhalt des Sachsenhuhns braucht. Die Mitglieder des Vereins pflegen schon seit gut 100 Jahren diese heimische Hühnerrasse.

Das Sachsenhuhn gilt als robust und gut angepasst an raues Klima im Gebirge. Experten bezeichnen es als genügsames Landhuhn, das sehr widerstandsfähig und leicht aufzuziehen ist. Außerdem habe es ein ruhiges Temperament und sei ein guter Futtersucher. Anders als moderne Hybridhühner, die einseitig auf die Produktion von Eiern oder Fleisch getrimmt sind, gilt das Sachsenhuhn als Zweinutzungshuhn. Halter können mit etwa 180 Eiern im Jahr rechnen.

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