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Gefahr für junge Rehe: Kitzretter in Sachsen machen mobil

Corinna Heinrich (l) und Sandra Schroth hocken mit einer Rehkitz-Transportbox auf einer Wiese. / Foto: Bodo Schackow/dpa/Archivbild
Corinna Heinrich (l) und Sandra Schroth hocken mit einer Rehkitz-Transportbox auf einer Wiese. / Foto: Bodo Schackow/dpa/Archivbild

Junge Rehe schweben bei der ersten Mahd der Wiesen nicht selten in Todesgefahr. Naturschützer bieten ehrenamtlich ihre Hilfe an - und auch mit Technik wurde in Sachsen aufgerüstet.

Bei der Mahd sollen weniger Rehkitze sterben. Das ist das Ziel einer neu gegründeten Kitzretter-Organisation, die im Raum Südwestsachsen die Jungtiere vor den Mähwerken der Landmaschinen retten möchte. Im vergangenen Jahr habe es einige tragische Fälle von getöteten Kitzen gegeben, sagt Corinna Heinrich von der Vogel- und Igelpflegestation Bad Elster im Vogtland. «Das war der Punkt, an dem wir uns entschlossen haben, zu handeln.»

Nun haben sich Jäger, Tierschützer und Landwirte zusammengefunden, um den Bauern vor der anstehenden Mäh-Saison ehrenamtlich Hilfe anzubieten. «Sie können uns anrufen, wir suchen dann die Wiesen ab und bringen die Kitze in Sicherheit», erklärt Heinrich den Plan der Gruppe. Normalerweise möchten Bauern einen tödlichen Zusammenstoß mit Kitzen selbst vermeiden, sagt Gunther Zschommler als Vizepräsident des Sächsischen Landesbauernverbandes.

«Oft leben die Tiere noch, sind schwer verletzt und müssen erlöst werden. Das ist auch für die Fahrer der Landmaschinen eine Belastung», berichtet Zschommler. Jedoch könnte es bei der landwirtschaftlichen Arbeit unter Zeitdruck und fehlender Kommunikation mit der Jägerschaft zu Fehlentscheidungen kommen. Kitzretter-Organisationen seien eine hervorragende Sache. «Ich freue mich über jede Hilfe, um Kitze vor dem Mähwerk zu schützen. Jedoch gab es in der Vergangenheit Firmen, die mit diesem Thema auf Kosten der Landwirte hohen Profit erzielen wollten.»

Den Bauern drohen Strafen, wenn sie keine Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um Rehkitze zu schützen, sagt Sandra Schroth als Hauptorganisatorin der neuen Initiative. Die Geldstrafen bewegten sich zwischen 1000 und 7000 Euro. «Ich habe mit der Kitzrettung Oberfranken zusammengearbeitet. Die läuft hervorragend, unsere Region steckt noch in den Kinderschuhen.» Die Rettung der kleinen Rehe sollten Laien jedoch auf keinen Fall selbst übernehmen.

Die Kitze dürften nicht angefasst werden - durch den menschlichen Geruch nimmt ihre Mutter sie sonst nicht mehr an. «Sie werden in viel Gras eingepackt und ohne Körperkontakt aus dem Gefahrenbereich gebracht. Außerdem arbeiten wir so, dass wir die Wiesen der Bauern bei unserer Suche nicht beschädigen», sagt Schroth. Eine Drohne mit Wärmebildkamera wäre bei der Suche auf großen Flächen zukünftig dringend notwendig.

«Der Landwirt sollte die Wiesen von innen nach außen mähen. Dann kann sich das Wild in Sicherheit bringen», gibt Gunther Zschommler einen weiteren Tipp. Aber die intensive Jagd im Wald und zu kurze Schonzeiten würden die Rehe in die Wiesen treiben, kritisiert er. Und Jagdgenossenschaften seien bisher von Förderprogrammen zur Anschaffung von Such-Drohnen ausgeschlossen. «Dabei übernehmen sie die Hauptaufgabe bei der Suche nach Rehkitzen. Nur den Bauern die Schuld bei den Problemen zu geben, ist falsch.»

Dem Sächsischen Landwirtschaftsministerium zufolge werden Informationsangebote und technische Unterstützung zur Rehkitzrettung von den landwirtschaftlichen Betrieben angenommen und nachgefragt. «Das Bewusstsein der sächsischen Landwirte für das Thema ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Die technischen Möglichkeiten zur tierschutzkonformen Grünlandbewirtschaftung wurden auch über die Förderung von Projekten verbessert», erklärt Sprecher Robert Schimke.

Initiativen zur Kitzrettung seien aus weiteren sächsischen Gegenden bekannt, darunter aus dem Landkreis Görlitz und der Region Torgau. Neun Vereine aus den Bereichen Jagd und Naturschutz konnten im letzten Jahr bei der Anschaffung neuer Drohnen zur Rehkitz- und Wildtierrettung über eine Bundesförderung unterstützt werden. Schätzungen, wie viele Rehkitze durch die Mahd jährlich zu Schaden kommen, liegen dem Ministerium nicht vor.

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