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Anja Voland - Bankjob gekündigt und mit etwas Richtigem begonnen

02.08.2018 von

Foto: Anja Voland

Die Arbeit. Das Büro. Normalität. Die Kollegen sind nett, mit dem Chef komme ich auch klar und die Aufgaben sind zu bewältigen. Eigentlich alles perfekt. Eigentlich! Irgendwas stimmt aber nicht. Was ist es bloß? Mache ich mir etwas vor, wenn ich mich jeden Morgen für einen Job verkleide, um die Berufsnorm zu erfüllen? Sagt die Kleidung wirklich mehr über die Menschen aus als die Leistung? Eigentlich mag ich es doch, wenn ich gut aussehe? Ist es vielleicht die Branche, die in den letzten Jahren vor wahnsinnig großen Veränderungsprozessen stand und seit 2008 auch ein Imageproblem hat?

Anja Voland ist Bankkauffrau. Gewesen. Sie hat den Beruf gelernt, weil er anerkannt war, sicher erschien und ein gutes Einkommen versprach. Dinge, die einen eben generell von außen suggeriert werden, sie wären im Leben wichtig. Doch ob diese Entscheidung auch die richtige für das eigene Leben ist, finden wenige erst nach vielen Jahren heraus, der Großteil der Menschen wird sich dessen nie bewusst und steuert im schlimmsten Fall auf eine Depression hin.

In ihrem Job als Bankberaterin hat sie immer andere Menschen, ihre Kunden, durch den Finanzdschungel geführt. Das Beraten hat ihr viel Freude bereitet, nur stellte sie zunehmend fest, dass sie der Entwicklung der Bankenbranche skeptisch gegenübersteht, bestimmte Dinge einfach nicht mehr vertreten kann. Sie beschäftigte sich in ihrer Freizeit mit anderen Themen und mit sich selbst. Sie hinterfragte bestimmte Verhaltensmuster und Glaubenssätze, um letztlich festzustellen, dass Sie in einem Hamsterrad gefangen war. Es war zwar ein Goldhamsterrad, schließlich war sie ja bei einer Bank beschäftigt, aber sie war unfrei und irgendwie nicht sie selbst. Dennoch war es doch irgendwie aushaltbar in der Komfortzone.

Erst eine schmerzhafte persönliche Krise öffnete ihr die Augen und schaffte Bewusstsein dafür, dass sie und nur sie für sich selbst verantwortlich ist. Sie entwickelte ihre Persönlichkeit weiter, las sehr viele Bücher über Motivation, Coaching und machte eine Ausbildung zur Individualpsychologischen Beraterin. Das Pflänzchen wuchs und wuchs und brauchte immer mehr Platz in ihrem Leben. Sie spürte plötzlich ungekannte Energie und wusste, dass sie etwas verändern muss. Eine Entscheidung musste her. Doch jetzt ging es ans Eingemachte. Was ist mit den lieb gewonnen Kollegen? Was ist mit dem sicheren Einkommen? Was sagen wohl die anderen? Heute weiß sie, dass diese Fragen auf Glaubenssätzen und Ängsten beruhen und rückblickend völlig unwichtig waren. Den entscheidenden „Tritt“ bekam sie letztlich von einem Pferd. Genauer gesagt über das pferdegestützte Coaching. „Die Arbeit mit diesen ehrlichen und unvoreingenommen Tieren, gab mir die Kraft und die Sicherheit, die Kündigung zu schreiben und es zu wagen“, erinnert sie sich.

Sie gründete ihr eigenes Unternehmen und bietet heute Führungskräften Weiterbildungsseminare an, die ihnen helfen ihre Wirkung auf andere Menschen durch ungefiltertes Feedback zu erkennen. Sie hat mittlerweile vier „Mitarbeiter“. Tornado, Tabaluga, Loui und Michel haben sehr viel Spaß und freuen sich wahrscheinlich jedes Mal, welcher tolle Hengst Ihnen wohl als nächstes zeigen will, wo der Hase langläuft. „Wenn ein Pferd dich nicht respektiert, dann macht es einfach nichts oder frisst die ganze Zeit. Ehrlicher und sanfter kann man keinen Spiegel vorgehalten bekommen“, sagt Anja.

An einen Teilnehmer erinnert sich Anja besonders gern. „Alles gut, alles schön, alles schick“, sagte er damals in der Vorstellungsrunde. Er hatte, genau wie jeder Mensch, bestimmte Muster, die für ihn funktionierten. Er fordert immer 100 Prozent von allen, weil er sie selbst von sich verlangte. Bis dato hatte er das Gefühl, dass er seine Mitarbeiter über Druck motivieren konnte. Was sicherlich immer irgendwie funktioniert hat, wahrscheinlich aber eher angstbegründet denn intrinsisch motiviert war. Pferde zeigen an dieser Stelle jedoch ein anderes Verhalten, denn sie kennen keinen Jobverlust.

Seine Aufgabe bestand darin, drei von vier Pferden in ein auf dem Boden markiertes Rechteck zu führen. Er nahm sich vor, es mit den drei größten zu probieren. Bei zweien klappt es ganz gut. Das dritte und größte Pferd wollte aber nicht. Da verfiel er in sein übliches Muster und übte Druck aus. Leider ohne Erfolg. Ganz im Gegenteil, das Pferd lief weg. Fast verzweifelt, aber mit mehr Selbstsicherheit, nahm er sich letztlich das kleinste der vier Pferde und führte es in das Rechteck. Formal war das Ziel erreicht, der Druck fiel ab. Dennoch wollte er sein persönliches Ziel – das große Pferd – noch erreichen. Wesentlich entspannter und souveräner – die Aufgabe war ja erfüllt – ging er auf den Großen zu und plötzlich, fast wie von selbst, stand auch er im Rechteck. „Na klar wollte er es nochmal wissen, konnte aber viel entspannter auf das Pferd zugehen, was letztlich den Erfolg brachte“, freute sich Anja. „Übrigens, angemeldet hatte ihn seine Frau, er hatte ja selbst keine Probleme“, merkt sie augenzwinkernd an.

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