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Weihnachtsgeschäft: Bremst 2G den Einzelhandel aus?

Passanten gehen vor einem weihnachtlich dekorierten Schaufenster vorbei. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Passanten gehen vor einem weihnachtlich dekorierten Schaufenster vorbei. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Bücher, Elektronik, Parfüm - die Weihnachtszeit ist für den Einzelhandel eigentlich Hauptsaison. Obwohl die Geschäfte derzeit geöffnet sein dürfen, sehen sich Einzelhändler in einer schlimmeren Situation als 2019.

Seit Ende November dürfen nur Geimpfte und Genesene in den meisten sächsischen Geschäften einkaufen - laut Branchen-Angaben hat diese 2G-Regelung zu massiven Umsatzeinbußen im Weihnachtsgeschäft geführt. Durchschnittlich sei der Umsatz um 40 Prozent gegenüber Normaljahren zurückgegangen, teilt der sächsische Handelsverband auf Basis einer Umfrage unter seinen Mitgliedern mit.

Die Besucher-Frequenzen sanken demnach um 47 Prozent im Vergleich zu 2019. «Zahlen, die belegen, dass die von der Politik beschlossenen Maßnahmen deutliche Auswirkungen auf den Einzelhandel haben und sich viele Kunden auch wieder verstärkt hin zum Onlinehandel orientiert haben», sagte Hauptgeschäftsführer René Glaser.

Deutlichere Worte findet Gordon Knabe, Centermanager des Einkaufszentrums Elbepark in Dresden. «Nach einem abartigen Jahr 2020 schreiben wir ein apokalyptisches Jahr 2021», sagte er. Die kurzfristige Schließung der Geschäfte kurz vor Weihnachten im Corona-Jahr 2020 sei schlimm gewesen. In diesem Jahr sei es aber noch schlimmer. Sogar im Vergleich zu 2020 sei die Besucher-Frequenz um 12 bis 25 Prozent eingebrochen.

«An einem normalen Adventssamstag hatten wir immer 50.000 bis 55.000 Besucher im Center. Jetzt sind es noch 30.000», sagte er. Besonders betroffen seien Textilgeschäfte. Möbel- oder Spielzeuganbieter kämen vergleichsweise gut über die Runden, weil es sich viele Menschen zu Hause gemütlich machen wollten. «Insgesamt ist aber selbst bei Geimpften die Kauflust nicht vorhanden», sagte Knabe. Schuld seien auch die Inflation und hohe Benzinpreise.

In der Leipziger Innenstadt mache sich zudem der abgesagte Weihnachtsmarkt bemerkbar, sagte Ute Gebhardt, die in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung arbeitet. In normalen Jahren komme sie durch das Gedränge kaum zur Buchhandlung. Und jetzt? «Es ist einfach kein Mensch mehr in der Stadt.» Auch der traditionelle Adventsbummel mit anschließendem Abendessen in der Stadt falle aus, weil die Restaurants um 20.00 Uhr schließen müssen.

«Wir arbeiten mit einer absoluten Minimalbesetzung», sagte Gebhardt. Einen kleinen Anflug vom Weihnachtsgeschäft gebe es an den Adventssamstagen. Aber auch dann mache sich der Rückgang bemerkbar. «Am dritten Adventssamstag hatten wir 20 Prozent weniger Kunden als 2019», sagte sie. Immerhin seien die Einkäufe größer - Besucher kommen folglich eher nicht für zufällige, kleinere Käufe, sondern gezielt für größere Anschaffungen.

Auch wenn viele Geimpfte und Genesene am vierten Adventssamstag noch einmal zum Geschenkekauf in die Geschäfte kommen dürften, schaut der Handelsverband mit düsterem Blick auf die kommende Zeit. «Schon im bisherigen Jahresverlauf ging es für viele Unternehmen weitgehend nur darum, die hohen Verluste aus dem vergangenen Winter und Frühjahr ein Stück weit zu reduzieren», sagte Hauptgeschäftsführer Glaser. Die Chancen hierzu seien nun nicht mehr gegeben.

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