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Frauenkirchen-Pfarrer: Mehr Gewicht auf Neues statt Bewahren

Frauenkirchen-Pfarrer Markus Engelhardt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Frauenkirchen-Pfarrer Markus Engelhardt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Die Weihe der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche liegt weit mehr als eine Dekade zurück. Die Gestalter ihrer jüngeren Geschichte werden weniger und die Zeiten haben sich geändert - das Profil des Ortes der Versöhnung muss nachgeschärft werden.

Die Stiftung Dresdner Frauenkirche arbeitet an einer neuen Strategie für das berühmte Gotteshaus. Der Anspruch, etwas Besonderes zu sein, und das Betonen der jüngeren Geschichte voll Symbolik und Metaphorik allein «reicht nicht», sagte Pfarrer Markus Engelhardt, zugleich ein Stiftungs-Geschäftsführer, der Deutschen Presse-Agentur zum 16. Jahrestag der Weihe des wiederaufgebauten Gebäudes. «Gab es in der Vergangenheit eine starke Betonung auf der Bewahrung der Tradition, muss jetzt eine Balance geschaffen und der Fokus stärker auf das Neue gelegt werden.»

Knapp ein halbes Jahr nach seiner Einführung konstatiert der frühere Freiburger Dekan: «Wir adressieren an der Frauenkirche Milieus, die zunächst mal als typisch für Dresden angesehen werden: Konservative, Bildungsbürger, Hochkulturmenschen und werden von allen auch als kultureller Ort wahrgenommen.» Das sei auch richtig. «Aber ehrlich ist auch festzustellen: Wir erreichen nicht diejenigen, die es darüber hinaus gibt, das sogenannte "andere Dresden".»

Dieses jüngere Dresden, das sich weniger über Hochkultur und Canaletto definiere, finde keinen Zugang zur Frauenkirche. «Das Ziel sollte sein, eine Brücke auch in diese Richtung zu schlagen.» Engelhardt will mehr Lebendigkeit im Vielklang aus Kirche, Konzertort, Akademie und Forum, es müsse ein breiteres Publikum in den Blick genommen werden, um «nicht dieser sehr kirchlichen Gefahr der Milieuverengung zu erliegen». Die vielen unterschiedlichen Menschen, die zu ihr kämen, neu für das Christliche und das, wofür Kirche stehe, anzurühren, «das ist unsere Chance».

Dabei sieht Engelhardt Potenzial im geistlich-liturgischen Leben ebenso wie bei der Entwicklung neuer Formate, um diesen Ort «ganz wunderbar» zu nutzen. Immerhin seien seit Sommer in den Sonntagsgottesdiensten zwischen 300 und 400 Menschen sowie 200 bis 300 zu den Mittagsandachten unter der Woche. «Wo kann man sonst innerhalb einer halben Stunde so viele Menschen zu erreichen versuchen?» Bis Ende 2022 soll die interne Strategieentwicklung, die vor allem im Stiftungsrat läuft, abgeschlossen sein - und klare Ziele vorgeben im Sinne von «Neues wagen».

Die im 18. Jahrhundert erbaute Dresdner Frauenkirche wurde bei der Bombardierung der Stadt Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Von 1994 an wurde das Gotteshaus mit der markanten Sandsteinkuppel unter Verwendung von Trümmersteinen und mit Hilfe von Spenden aus aller Welt originalgetreu wiedererrichtet - und am 30. Oktober 2005 geweiht.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

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