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Auftakt im Krisenmodus: Landesbischof zieht positiv Bilanz

Tobias Bilz, evangelischer Landesbischof, spricht in der Frauenkirche. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Tobias Bilz, evangelischer Landesbischof, spricht in der Frauenkirche. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Vor einem Jahr wird Tobias Bilz Landesbischof. Nach den Querelen um seinen Vorgänger will er die Landeskirche wieder einen - doch schnell nach Amtsantritt gibt es ganz andere Aufgaben.

Der Bischof der evangelischen Landeskirche Sachsens, Tobias Bilz, blickt zufrieden, wenn auch nicht ohne Abstriche, auf sein erstes Amtsjahr zurück. «Die Corona-Krise steht im Prinzip seit meinem Dienstbeginn im Vordergrund», bestimme das kirchliche Leben und sein Handeln, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Viele Dinge, die ich gemeinsam mit den Christen unserer Landeskirche gern nach vorn bringen möchte, brauchen aber Begegnung und Gemeinschaft.»

Bilz nennt das Ringen um die Einheit der Landeskirche nach den Debatten um Strukturreform, ethische Fragen und die Klärung nach den Konflikten um seinen Vorgänger im Herbst 2019. Der Erzkonservative Carsten Rentzing war wegen der Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung und fragwürdiger Äußerungen in der Studienzeit in die Kritik geraten und musste zurücktreten.

Bilz sieht diesbezüglich eine gewisse Entspannung. «Das Grundgefühl ist: so etwas möchten wir nicht noch einmal erleben.» Kontroversen seien normal. «Aber Auseinandersetzungen, in denen man um Wahrheiten ringt, dürfen nicht dazu führen, dass Gräben entstehen.» Er sprach von einem positiv veränderten Klima, die Mitglieder der Landeskirche lebten neu damit, dass es auch unter ihnen unterschiedlichste Ansichten gebe. «Wir sind da durchaus Volkskirche.» Und auch die Debattenkultur habe sich verändert, hin zur Offenheit für die Meinung anderer, Respekt und Vertrauen, dass daraus Neues entsteht.

In der Krise hat sich laut Bilz bewährt, dass die Landeskirche je nach aktueller Infektionslage klare Rahmenbedingungen für das kirchliche Leben setzt und in der Umsetzung den Gemeinden Gestaltungsräume lässt. Dabei komme es aber auf die Balance an: zu viel Eigenverantwortung ohne Rahmen führe zu Orientierungslosigkeit, ein zu enger Rahmen erzeuge Widerstand oder Resignation.

Bilz sieht zudem eine Chance, nach der Pandemie nicht in der alten Routine weiterzumachen, sondern neu zu bestimmen, «was das Entscheidende ist». Dabei gelte es, sorgsam zwischen dem Gewohnten und neuen Arbeitsformen abzuwägen, sonst drohe Überforderung. «Ich stelle mir vor, dass wir die durch die Krise gewonnenen Erfahrungen nutzen, um das Traditionelle auf seine Bedeutung hin zu überprüfen.» Vor dem Wieder-Hochfahren müsse überlegt werden, was verzichtbar und was besonders lebendig und zukunftsträchtig sei. «Wir werden Überlebtes zur Seite tun und Neues dazugewinnen.»

Dabei spricht Bilz von einer lebendigen «neuen Gottsuche» mit den Menschen, statt ihnen nur eine Wahrheit zu verkünden. Da gehe es um Fragen von Sinn und Ziel des Lebens, des Umgangs mit Verunsicherung und darum, Krise als Herausforderung und «nicht als möglichst schnell abzulegende Störung anzusehen», sagte er. «Die Kirche muss auch unter den gegebenen Umständen und Bedingungen fragen, wie können wir beieinander bleiben, uns gegenseitig ermutigen, Kraft schöpfen, aufeinander achtgeben, um von innen heraus die Krise zu bewältigen. Und da sind wir auf einem guten Weg.»

Die neuen Herausforderungen und langjährige Erfahrungen als Jugendpfarrer haben Bilz geholfen, schnell in das Bischofsamt hineinzuwachsen - und «in gewisser Hinsicht» auch Corona. Denn mit dem Amtsantritt waren Kommunikation und Handlungsfähigkeit gefragt, dahinter trat Vieles zurück, sagte der 56-Jährige. «Ich bin aber optimistisch, dass sich die Dinge 2021 grundsätzlich zum Besseren wenden.»

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

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