Der frühere Bundesminister und scheidende Bundestagsabgeordnete Thomas de Maizière plädiert für eine parteiübergreifende große Staatsreform nach der Bundestagswahl. Bei Corona-Pandemie und Flutkatastrophe zeige sich, «dass wir in Krisen nicht handlungsfähig genug sind», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Der Föderalismus sei in bestimmten Bereichen in die Kritik geraten, bei der Digitalisierung hinke man hinterher. «Da müssen alle an einen Tisch und darüber reden, wie muss unser Land aufgebaut sein, dass wir besser werden.»
De Maizière kandidiert nach zwölf Jahren nicht mehr für den Bundestag. «Ich bin jetzt 67 und war lange genug dabei, da sollten Ältere den Jüngeren Platz machen, gerade in so einer Krise», sagte er. Auch ausgeschiedene ältere Minister sollten nicht zu lange im Parlament bleiben. Der Jurist war insgesamt 16 Jahre Bundespolitiker, in Ministerämtern und Abgeordneter. «30 Jahre in Regierungsfunktion, das ist genug.»
Der gebürtige Bonner begann als Redenschreiber des damaligen Westberliner Bürgermeisters und späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1920-2015), verhandelte 1990 den Einigungsvertrag mit und war danach Kultusstaatssekretär und Staatskanzleichef in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). In gleicher Funktion wechselte er 1999 nach Sachsen, wo er später auch Finanz-, Justiz- und Innenminister war. 2005 holte ihn Angela Merkel als Chef ins Kanzleramt, danach war er zwei Mal Bundesinnen- sowie ein Mal Verteidigungsminister.