Der katholische Bischof von Leitmeritz, Stanislav Pribyl, plant, im Jahr 2026 die Vertreibung der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Gottesdiensten zu thematisieren. Wie Radio Prag berichtete, hat er dieses Jahr zu einem "Jahr der Versöhnung" erklärt. Historiker begrüßen diese Initiative, die darauf abzielt, die Erinnerung an die leidvolle Vergangenheit lebendig zu halten und auch dialogische Begegnungen zu fördern.
An insgesamt zwölf Orten im nordtschechischen Bistum sollen "Versöhnungsgottesdienste" stattfinden, beginnend mit dem nächsten Dienstag. Diese ökumenischen Veranstaltungen zielen darauf ab, eine Plattform für Begegnungen zwischen Zeitzeugen und deren Nachkommen zu schaffen. Die Idee hinter den Gottesdiensten ist es, die erinnerte Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und Raum für einen Austausch über die Vergangenheit zu bieten.
Die Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung geschah nach dem Zweiten Weltkrieg, als schätzungsweise drei Millionen Sudetendeutsche und Karpatendeutsche von den neuen Machthabern aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden. Diese kollektive Vertreibung hinterließ tiefe Wunden in der Gesellschaft und führte dazu, dass Tausende von Menschen ihr Leben verloren.
Bischof Pribyls Initiative könnte einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und zur Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der Geschichte leisten. Der Dialog über die Vertreibung könnte auch dazu beitragen, das Verständnis für die komplexen historischen Zusammenhänge zu fördern und das Miteinander in der heutigen Gesellschaft zu stärken.