In Prag ist eine Petition entstanden, die die sofortige Einstellung des Austauschs traditioneller Natriumdampf-Hochdrucklampen der öffentlichen Beleuchtung gegen LED-Leuchten mit weißem Licht fordert. Bereits am ersten Tag nach dem Start wurde sie online von mehr als dreitausend Menschen unterstützt, wie die Mitbegründerin der organisierenden Initiative „Chraňme pražskou noc“ (Schützen wir die Prager Nacht) und die oppositionelle Prager Stadtverordnete Kristýna Drápalová (Praha Sobě) laut forbes.cz mitteilte.
Nach Ansicht der Initiative ist weißes Licht nachts schädlich für die menschliche Gesundheit, Tiere und Pflanzen, da es einen hohen Anteil blauer Lichtwellen enthält, der natürliche biologische Rhythmen stört. Die Initiative plant, die Petition auf der Februar-Sitzung des Stadtrats zur Beratung vorzulegen – dafür müssen mindestens eintausend physische Unterschriften von Prager Bürgern gesammelt werden. Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung lag bisher nicht vor.
Für die öffentliche Beleuchtung in der Metropole ist die städtische Gesellschaft Technologie hlavního města Prahy (THMP) zuständig. Diese tauscht in den letzten Jahren auf Anweisung der Stadtleitung die ursprünglichen Natriumdampflampen mit warmem orangefarbenem Licht schrittweise gegen weiße LED-Leuchten aus. Grund dafür ist vor allem der Plan der Europäischen Union, die Produktion der quecksilberhaltigen Natriumdampflampen einzustellen; die Gültigkeit dieser Regelung wurde zwar auf nächstes Jahr verschoben, doch nach Angaben von Magistrat und THMP muss der Umstieg auf LED-Technologie in den kommenden Jahren abgeschlossen werden, solange noch Lagerbestände der alten Lampen verfügbar sind.
Über 10 Prozent der Lampen sind bereits ersetzt
Laut Informationen der Initiative „Chraňme pražskou noc“ wurden bisher etwa 18.000 Leuchten durch weiße LEDs ersetzt. Insgesamt gibt es in Prag rund 136.000 bis 138.000 Beleuchtungspunkte, wie THMP früher angab. Gegen den Austausch positionieren sich einige Experten scharf. „Weißes Licht gehört nicht in die nächtliche Umgebung. Die blaue Komponente, die es enthält, schadet sowohl Menschen als auch Tieren. Man kann aus der Nacht keinen Tag machen. Es ist unverzüglich nötig, den unsinnigen Vier-Milliarden-Plan des Austauschs zu stoppen, der ein Schritt zwanzig Jahre rückwärts ist. Je früher wir die Situation korrigieren, desto weniger wird Prag der Austausch konfliktreicher Installationen kosten“, erklärte der Lichtexperte Hynek Medřický, der die Petition fachlich unterstützt.
Die Petenten fordern, dass die Stadt den Austausch stoppt, bereits installierte weiße Leuchten wieder durch orangefarbenes Licht ersetzt und ein fachliches Kolloquium zum Thema mit Beteiligung von Experten und Interessenverbänden organisiert, ergänzte Drápalová. Weißes Licht schade nach ihren Worten auch der städtischen Begrünung. „Alle reden davon, wie dringend Prag Bäume braucht, aber plötzlich gibt die Stadt Milliarden für den Austausch der Beleuchtung aus, in deren Folge die Bäume leiden werden. Die Stadtleitung muss ihren Plan überdenken“, betonte die Stadtverordnete. Das Problem liege nach Ansicht der Initiative nicht an der LED-Technologie selbst, sondern an der Wahl einer ungeeigneten Lichtfarbe. Aus der geplanten fachlichen Debatte sollten klare Prinzipien hervorgehen – etwa, wo nachts beleuchtet werden muss und wo nicht, welche Typen von Leuchten, Farbtemperaturen und Mastenhöhen für verschiedene Situationen geeignet sind.
Die Petition, die Anfang Januar 2026 gestartet wurde, hat laut aktuellen Berichten bereits über 4.000 Online-Unterschriften gesammelt und stößt auf breite Resonanz. Die THMP weist Vorwürfe zurück und betont, dass der Umstieg auf LED mit warmweißer Farbtemperatur (max. 3000 K) den Normen entspricht und den Lichtsmog sogar reduziert.