Eine Ausstellung der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden zeigt den Einfluss des italienischen Barockmalers Caravaggio (1571-1610) auf Zeitgenossen und nachfolgende Künstlergenerationen. Mehr als 50 prominente Werke sogenannter Caravaggisten aus eigenem Bestand sind bis Mitte Januar 2021 um die «spektakuläre Leihgabe» eines echten Caravaggio versammelt, das Gemälde «Johannes der Täufer», wie die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, am Donnerstag sagte. In dem «ikonischen Hauptwerk» aus den Kapitolinischen Museen in Rom verdichte sich alles, was Caravaggio ausmache: dramatische Helldunkelmalerei, radikaler Naturalismus und Körperlichkeit sowie eine neue Deutung der christlichen Darstellung, die zum Ideal geworden sei.
«Die Gemäldegalerie Alte Meister besitzt eine Fülle von Caravaggisten, aber keinen Caravaggio selbst», sagte Direktor Stephan Koja. Dabei wollten Sachsens Kurfürsten auch ein Werk dieses römischen Barockmalers für ihre Sammlung, erwarben aber nur ihm zugeschriebene Werke. Mit «Johannes der Täufer» erfülle sich nun der jahrelange Wunsch, ein Original von dem Maler des römischen Barock neben von ihm beeinflussten Werken zu zeigen. Die provokante Darstellung des Heiligen als nackter Knabe, der einen Widder umarmt, ist seit der Entstehung des Bildes 1602 für eine Privatsammlung Anlass für Spekulationen. Caravaggio habe den Betrachter bewusst zu unterschiedlichen Deutungen anregen wollen, sagte Ackermann.