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Edward Hopper unter Altmeistern in Dresden

Mitarbeiter hängen das  Gemälde „Morning Sun“ von Edward Hopper. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild
Mitarbeiter hängen das Gemälde „Morning Sun“ von Edward Hopper. / Foto: Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild

Er gilt als ein Urvater der amerikanischen Moderne. Seine Bilder mit melancholischen Figuren sind von zeitloser Qualität, wie die niederländischer Altmeister - und das ist kein Zufall.

Edward Hoppers Meisterwerk «Morning Sun» von 1952 aus dem Columbus Museum of Art (USA) hängt für gut drei Monate inmitten der Granden der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Die Leihgabe steht im Fokus der mit «Die innere und die äußere Welt» überschriebenen Ausstellung zum Oeuvre des Künstlers, die ab Gründonnerstag eine besondere Verbindung beleuchtet. Hopper, eigentlich Inbegriff der Darstellung des modernen amerikanischen Lebens, «ist letztlich ein Alter Meister», sagt Galeriedirektor Stephan Koja.

Im Semper-Kabinett versammelt sind neben der vor dem Fenster in der Morgensonne auf dem Bett sitzenden Frau in Öl Vorzeichnungen aus dem Whitney Museum of American Art in New York und ausgewählte Radierungen des Malers aus der Albertina in Wien. Grafische Werke und Gemälde aus der Galerie und dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ermöglichen den künstlerischen Vergleich, darunter eine historische Kopie von Vermeers «Brieflesendem Mädchen».

Nach Angaben von Koja wuchs Hoppers Interesse speziell an der niederländischen Malerei nach Reisen in die europäischen Metropolen Anfang des 20. Jahrhunderts - Paris, Amsterdam, London und Berlin. Und auch in seiner Heimatstadt New York habe er die niederländische Genremalerei des 17. Jahrhunderts studieren können. Nicht zuletzt stammte Hopper aus einer holländischen Familie, die im 17. Jahrhundert auch einen Bürgermeister von Amsterdam stellte, und wuchs inmitten holländischer Einwanderer in Nordamerika auf. «Das ist vielleicht einer der Gründe, warum er so eine Beziehung hatte zu Niederländern.»

Die Schau zeige, wie er sich mit Radierungen von Rembrandt auseinandersetzt, die Raumkomposition von Pieter de Hooch übernimmt und «ganz besonders, wie er von Vermeer angeregt ebenfalls wenige Figuren zeigt, die innehalten, nachdenklich sind, die lesen, die sich einem Fenster zuwenden», sagt Koja. Auch das Licht spiele eine extrem große Rolle, wie bei Vermeer. «Es bekommt eine geradezu spirituelle Bedeutung und nicht zuletzt sind die Erzählungen rätselhaft.»

Aufgefallen ist Koja diese Verbindung Hoppers zu den Altmeistern in der intensiven Beschäftigung mit Vermeer, «es sind Situationen, die man kennt, und mit denen man sich sofort identifizieren kann, und der Ausgang der Geschichte bleibt offen.» Diese Nähe fasziniere. «Das erklärt eigentlich seine Wirkung und seine Popularität bis heute, im Grunde passiert ja nichts in diesen Bildern.» Laut Koja ist dieser Zusammenhang bisher wissenschaftlich nur punktuell beobachtet worden, «aber nicht in dieser Gründlichkeit, wie wir das jetzt machen».

Insgesamt umfasst die Präsentation 18 Werke, darunter acht von Hopper. Dabei würde das Ölbild reichen, sagt Koja. «Mit diesem einen Gemälde kann man alles sagen.» Hopper habe die gegenstandslose Malerei von Picasso abgelehnt. «Es geht ihm um diese reiche Welt der Psyche.» Ihn dort zu verorten, in einer Traditionslinie, sei das Anliegen. «Das ist in dieser Deutlichkeit noch nie gesehen worden.»

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