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Denkmäler des Fluchtdramas

29.01.2017 von


Kunstinstallation "Lampedusa 361" auf dem Dresdner Theaterplatz - Friedenspreis für Ehepaar aus Agrigent

Allein im vergangenen Jahr ertranken auf ihrer Flucht über das Mittelmeer mehr als 5000 Menschen. Vor allem vor der Küste Siziliens sterben Flüchtlinge seit mehr als 20 Jahren. Die Gräber der toten Kinder, Frauen und Männer auf sizilianischen Friedhöfen sind die Denkmäler dieser Tragödie.
Eine Kunstinstallation auf dem Dresdner Theaterplatz zeigt nun vom Freitag, 10. bis Dienstag, 14. Februar in einer ungewöhnlichen Präsentationsform ein erstes Mal Fotos dieser Gräber.

90 Fotografien wurden auf großformatige Matten gedruckt und werden auf den Platz gelegt. So entsteht der Eindruck eines Friedhofes. Auf Tafeln hinter den Grabmatten wird die Geschichte der Flüchtlingsgräber auf Sizilien erzählt.

Da einige Friedhöfe wie der auf Lampedusa nicht mehr die Kapazität haben, weitere Opfer zu bestatten, werden die Verstorbenen inzwischen überall im Land begraben. So findet man Gräber der Ertrunkenen auch in kleinen Bergdörfern hunderte Kilometer vom Meer entfernt. Die Fotos entstanden auf 25 Friedhöfen von Lampedusa bis Agrigent, von Corleone bis Catania, von Palermo bis Syrakus. Das Projekt „Lampedusa 361“ führt diese über ganz Sizilien verstreuten Gräber zusammen, um ein Bild zu vermitteln von der Größe dieser Tragödie.

Viele der Opfer konnten nicht identifiziert werden und wurden deshalb in anonymen Nummerngräber begraben. Aber es gibt auch Namen und Fotos der Verstorbenen auf Grabsteinen. Wie der des vierjährigen syrischen Jungen Muhammed Alabdullah in Ribera. Seine Eltern suchten ihn, hofften, er habe überlebt und veröffentlichten ein Foto. Der Arzt, der die Autopsie am Leichnam des Kindes vorgenommen hatte, erkannte es. In Agrigent sind in einem Grabhaus Fotos zu sehen von einer jungen Frau, die mit ihren drei kleinen Kindern starb.
„Lampedusa 361“ soll die große Leistung der italienischen Gesellschaft dokumentieren, den Opfern einer der großen Tragödien in der Geschichte der Menschheit im Tod ein Stück Würde zurückzugeben.
Das Kunstprojekt ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stadt Dresden und der Organisation Friends of Dresden Deutschland e. V. Es wird am Freitag, 10. Februar 2017, 11 Uhr eröffnet.
Sizilianisches Ehepaar nahm totes Flüchtlingsmädchen in Familiengrab auf und wird für diese Geste in Dresden geehrt
Zu den gezeigten Fotos auf dem Theaterplatz gehört auch das des Grabes der Familie Gelardi in Agrigent. Das Ehepaar Amalia und Guiseppe Gelardi hatte im Oktober 2013 Kiflay aus Eritrea in ihrem Familiengrab bestattet.
Das 17jährige Mädchen war mit weiteren 367 Flüchtlingen am 3. Oktober 2013 vor Lampedusa ertrunken.
Für ihre große menschliche Geste erhält das Ehepaar einen mit 2000 Euro dotierten Sonderpreis zum diesjährigen Internationalen Friedenspreis „Dresden-Preis“. Hauptpreisträger ist Domenico Lucano, der als Bürgermeister von Riace in Kalabrien ein einzigartiges Modell des Willkommens für Flüchtlinge geschaffen hat.
Der Dresden-Preis wird am Sonntag, 12. Februar 2017, 11 Uhr in der Semperoper Dresden verliehen. Der Preis wird gefördert von der Klaus Tschira Stiftung.

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