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Vogler: Klassikbranche braucht frische Konzepte und Fan-Nähe

Jan Vogler gibt ein Interview. / Foto: Matthias Rietschel/dpa
Jan Vogler gibt ein Interview. / Foto: Matthias Rietschel/dpa

Die Klassikbranche braucht nach Ansicht des Cellisten und Intendanten Jan Vogler ein viel engeres Verhältnis zum Publikum. «Die Klassik ruht noch zu sehr in sich selbst und muss sich bewegen», sagte der 58-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. In anderen Sparten sei die Musiker-Fan-Beziehung völlig normal, in der klassischen Musik fehle sie häufig. «Publikum und Künstler sind gleichberechtigt und brauchen einen Austausch. Das Publikum betreibt logistisch viel Aufwand, um ein Konzert zu besuchen. Deshalb kann es auch erwarten, dass der Künstler ihm etwas an Energie und Enthusiasmus zurückgibt.»

«Man kann vielleicht nicht jeden Abend eine herausragende Interpretation garantieren. Was ich aber bei jedem Konzert mitbringen möchte, ist Lebendigkeit und Spontanität abseits aller Routine. Das betrifft auch die Programmgestaltung», betonte der Musiker, der als Solist bei führenden Orchestern in aller Welt auftritt und als Intendant die Musikfestspiele in Dresden und als Künstlerischer Leiter das renommierte Moritzburg Festival für Kammermusik verantwortet. Das «Konzert als Ritual» - regelmäßig an einem bestimmten Tag ins Konzert zu gehen - verliere an Gewicht. Der Dialog zwischen Publikum und Künstler werde immer wichtiger.

«Die Klassik muss kreativ sein und frische Konzepte entwickeln, um dem Publikum die Einzigartigkeit eines Konzertes zu vermitteln», sagte Vogler. Es müsse nicht so sein, «dass der Interpret auf die Bühne geht und wie ein Prediger seine Botschaft versendet». Viel wichtiger sei eine Interaktion zwischen Publikum und Künstler. «Wir müssen ein persönliches Verhältnis zu den Fans aufbauen. Musik ist Teil des Lebens eines jedes Menschen, jeden Tag und in welcher Form auch immer. Und klassische Musik ist bei jungen Leuten im Kommen, das beweisen die Zahlen bei Youtube.»

Vogler selbst pflegt mit Blick auf das Publikum gern auch die intime Atmosphäre kleiner Spielstätten. Demnächst tourt er deshalb durch die sächsische Provinz. «Jeder Interpret weiß, dass es die großen musikalischen Momente nicht immer auf den großen Bühnen gibt. In einer Dorfkirche können sie genauso passieren wie in der New Yorker Carnegie Hall.» Bei solchen Konzerten sei man nicht nur näher am Publikum dran, sondern könne auch mal das Wort an die Zuhörer richten und sie einbeziehen. Nachdem er in den vergangenen Jahren meist in großen Musikzentren gespielt habe, wolle er künftig einmal im Jahr eine Tour durch kleinere Ortschaften machen.

«Auch Clara Schumann ist damals als Pianistin mit der Postkutsche von Ort zu Ort gereist. Franz Liszt ist auf die Dörfer gefahren und hat die Beethoven-Sinfonien auf dem Klavier in Gaststätten gespielt», erinnerte Vogler an Große seiner Zunft. Er habe überhaupt keine Berührungsängste, irgendwo Cello zu spielen und auch mit Künstlern anderer Sparten aufzutreten. 2019 etwa hatte er etwa gemeinsam mit Rockstar Eric Clapton auf der Bühne gestanden. «Ich sehe Musik als Kommunikationsmittel zwischen Menschen. Wir sollten das Klassik- Publikum mitnehmen, wenn wir etwas Ungewöhnliches machen. Es ist dankbar und hört abseits seiner Hörgewohnheiten gerne etwas Neues.»

Die Klassikbranche sieht Vogler nach der Pandemie nicht in der Krise. Es lasse sich aber beobachten, dass vor allem Musiker mit einem gewissen Standing nachgefragt sind. «Der Musikbetrieb setzt auf Protagonisten, die ihr Publikum haben. Junge Künstler hätten es in diesen Zeiten schwer, ihre Karriere zu starten.» Er selbst wolle deshalb bei zwei Konzerten seiner Tournee durch Sachsen mit dem jungen Dresdner Pianisten Nikolaus Branny musizieren. Voglers Sachsen-Tour beginnt am 3. Februar in Dippoldiswalde und führt ihn auch auf die Burg Mylau.

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