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Krankenhäuser schlagen Alarm und fordern Unterstützung

Eine Pflegekraft bedient eine Herz-Lungen-Maschine auf einer Intensivstation. / Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild
Eine Pflegekraft bedient eine Herz-Lungen-Maschine auf einer Intensivstation. / Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

Die Krankenhäuser in Sachsen haben angesichts von Inflation und drastisch steigender Energiekosten schnelle finanzielle Hilfe vom Staat gefordert. «Die Situation der Krankenhäuser in Sachsen ist derzeit so angespannt und belastet wie nie zuvor und entwickelt sich weiter in bedrohlichem Maße», sagte der Vorstandsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft Sachsen (KGS), Sven U. Langner, am Mittwoch in Dresden. Die KGS bezifferte allein die Lücke zwischen Kosten und Erlösen für die sächsischen Krankenhäuser auf rund 400 Millionen Euro.

Zudem seien durch steigende Energiekosten und teures medizinisches Material die Sachkosten enorm gestiegen, hieß es. Die Krankenhausgesellschaft bezifferte die Summe der ungedeckten Sachkosten für das nächste Jahr auf rund 150 Millionen Euro. Zudem gehe es um langfristige Lösungen, wie die Patientenversorgung kostendeckend erfolgen könne. Die Krankenhausgesellschaft vertritt als Landesverband 78 Krankenhäuser mit mehr als 58 000 Beschäftigten.

Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) fürchtet, dass es auch zu Insolvenzen kommen könnte. Ändere sich die Situation nicht, könnten bundesweit 40 Prozent der Häuser von Zahlungsunfähigkeit bedroht sein. «Die Not ist zum Greifen, die Patientenversorgung bedroht.» Hinzu kommt die Sorge vor einer erneuten Pandemiewelle im Herbst und im Winter.

Die Krankenhäuser fordern daher unter anderem einen Inflationsausgleich vom Bund sowie langfristige Strukturreformen. Im nächsten Landeshaushalt muss zudem das Investitionsvolumen deutlich erhöht werden, so die Krankenhausgesellschaft Sachsen.

Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Dresdner Universitätsklinikums, geht davon aus, dass sein Haus in diesem Jahr ein zweistelliges Minus einfährt. Allein die Stromkosten stiegen in diesem Jahr um rund 12 Millionen Euro. Der bisherige Stromanbieter habe gekündigt, nun müsse man deutlich mehr bezahlen, so Albrecht. Allein die Tumorbehandlung etwa durch Protonentherapie sei energieintensiv. «Für die Aufrechterhaltung unseres Medizinbetriebes, für Diagnostik und Therapie benötigen wir jährlich den Energie- und Ressourcenbedarf einer Kleinstadt», betonte Albrecht.

Am Dresdner St. Georg Klinikum sind die Kosten für Strom und Gas laut Geschäftsführerin Iris Minde in diesem Jahr um rund 500 Prozent gestiegen. Hinzu kämen rasant gestiegene Preise für medizinisches Material wie FFP2-Masken oder OP-Handschuhe sowie Lieferprobleme für manche Medikamente. «Was wir jetzt erleben, ist existenzbedrohend.»

Unter dem Motto «Alarmstufe Rot» beteiligen sich Sachsens Krankenhäuser an der bundesweiten Kampagne der Deutschen Krankenhausgesellschaft, mit der auf die massiven wirtschaftlichen Bedrohungen für die Krankenhauslandschaft aufmerksam gemacht werden soll. Auch in Thüringen haben am Mittwoch rund 350 Beschäftigte der Thüringer Krankenhäuser angesichts steigender Kosten vor dem Landtag in Erfurt protestiert und mehr finanzielle Unterstützung gefordert.

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