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Afghanischer Verein: «Unter den Taliban keinen Frieden»

Die Sorgen der in Deutschland lebenden Afghanen sind groß. Sie selbst befinden sich in Sicherheit. Doch das ungewisse Schicksal ihrer Angehörigen lässt sie nicht zur Ruhe kommen.

Der Dresdner Verein Afghanistan befürchtet mit der Machtübernahme der Taliban schlimme Zeiten für die Menschen in der alten Heimat - und misstraut den versöhnlichen Tönen der Islamisten. «Es wird unter den Taliban keinen Frieden geben», sagte Vorstandsmitglied Ahmad M. der Deutschen Presse-Agentur. Der 27-Jährige geht nicht davon aus, dass die Taliban sich wirklich geändert haben-

«Ihre Ideologie ist die gleiche wie in den 1990er Jahren. Die Überzeugungen der Taliban sind gleich geblieben. Sie haben früher Tausende unschuldige Frauen, Kinder und Männer getötet», so M.. Um internationale Anerkennung zu erlangen, würden sie nun versöhnliche Töne anschlagen. Aber sobald die Anerkennung erreicht sei, werde man die Maske wieder fallen lassen.

Er verspüre beim Anblick der Bilder aus der afghanischen Hauptstadt Wut und Trauer und stehe in Kontakt mit einigen Menschen in Kabul: «Ihnen geht es sehr schlecht, sie haben Angst vor den Taliban. Sie fühlen sich in Afghanistan nicht mehr sicher.» Das betreffe vor allem Leute, die in Organisationen, für die frühere Regierung oder für die Armeen anderer Länder gearbeitet haben.

«Diese Menschen fühlen sich von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen. Das ist nicht menschenwürdig», sagte der 27-Jährige, der Ende 2015 nach Deutschland kam und jetzt Soziale Arbeit in Dresden studiert. Die Afghanen hätten große Sorgen um ihre Zukunft. Es sehe so aus, als wäre der Einsatz der USA und der Nato völlig umsonst gewesen. Mit der Machtübernahme der Taliban sei zu befürchten, dass Frauen keine Rechte mehr haben und Mädchen nicht mehr zur Schulen gehen dürfen: «Wir werden in Zukunft noch dramatische Bilder aus Afghanistan zu sehen bekommen.»

Ahmad M. warf dem Westen vor, von Anfang an kein richtiges Ziel und keinen richtigen Plan für Afghanistan besessen zu haben. Auch der Abzug der Truppen sei planlos gewesen: «Die afghanische Bevölkerung, die an Freiheit und Demokratie glaubte, ist im Stich gelassen worden.»

Ahmad M. gab einer korrupten afghanischen Regierung und dem «machtbesessenen Präsidenten» Aschraf Ghani eine Mitschuld an der Entwicklung. Andererseits habe der Westen die Lage vor Ort falsch eingeschätzt. Der Präsident habe die Macht in seinen Händen konzentriert und anderen Politikern die Hände gebunden. Dabei wäre es durchaus möglich gewesen, demokratische Strukturen in Afghanistan aufzubauen. Dafür hätte man aber gemeinsam mit der Zivilgesellschaft die Lage erst einmal genau analysieren müssen.

Nach Ansicht von Ahmad M. steht die internationale Gemeinschaft nun in den Pflicht, den Afghanen sichere Fluchtwege zu ermöglichen. Es gebe Möglichkeiten, ihnen in den Nachbarländern eine Unterkunft zu bieten. Menschen, die der Regierung und dem Westen geholfen haben, seien in akuter Gefahr. Man brauche für diese Menschen auch eine Zuflucht in Deutschland und direkte Fluchtwege hierher.

Quelle: dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH