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Visitor - Von Stärken und Schwächen und geheimen Diensten

28.02.2017 von

Heinz Kulb, Journalist, Autor, Geschichtsauskenner, Kunstwissenschaftler hat 2011 seine erste Kurzgeschichte veröffentlicht. „Luzifer ist an allem schuld“ ist beim Verlag Freiberg Edition erschienen. Heinz Kulb ist damit auch beim Dresdner Poetry Slam aufgetreten. Vor fünf Jahren hat er angefangen, sein Bild vom Besucher, vom Gast zu zeichnen. Seiner Tochter fehlte irgendwie noch etwas Spannendes. Naja, was tut man nicht alles für die Kinder. So entstand Visitor

Fünf Jahre schreiben - ohne Unterlass?

Heinz Kulb: "Nein. Es gab immer wieder kürzere oder längere Pausen. Mal fehlte die Inspiration, mal brauchte ich Recherchematerial und manchmal hatte ich auch einfach keine Lust. Dazu kam, dass ich ja noch einer Tätigkeit nachgehen musste, die mir den notwendigen Unterhalt zum Leben bescherte. Und ein Privatleben gab es auch noch. Aber letztlich muss man den inneren Schweinehund überwinden, sonst wird man nie fertig. Ich brauche auch ein wenig Druck und wenn ich ihn mir selbst geben muss. Das Konzept war anfangs sehr grob, die Darsteller wenig ausgefeilt und das Ende nicht bekannt. Alles entwickelte sich beim Schreiben. Und ich staunte selbst, wohin sich die Geschichte letztendlich entwickelte."

Du hast Deinen Roman im Selbstverlag bei Amazon als Taschenbuch und E-Books veröffentlicht. Warum nicht bei einem klassischen Verlag?

Heinz Kulb: "Gute Frage. Ich habe viele Verlage angeschrieben, die für meinen Thriller in Frage kämen. Als Antworten kamen, wenn überhaupt, Absagen. Verlage sind eben keine Sozialeinrichtungen, sondern knallhart rechnende Wirtschaftsunternehmen, was ihnen nicht zu verdenken ist. Und man kann einem Buch nicht ansehen, ob es ein Erfolg wird. Davon können viele inzwischen bekannte und erfolgreiche Autoren ein Liedchen singen. Ihre Erstlinge hatten es meist sehr schwer."

Nun zu Deinem Roman. „Visitor“ ist ein Thriller. Gier und Eifersucht sind in fast jedem Buch dieses Genres die treibenden Kräfte. Welche sind es in Deinem Roman?

Heinz Kulb: "Wenn man die Suche nach dem Sinn in seinem Leben, nach Erfolg als einen Weg in Richtung Gier bezeichnen möchte, dann trifft dieser Aspekt zu. Dazu kommen Machtgelüste. Diese bereiten den Boden für Intrigen, Mobbing, Manipulation und Mord. Und selbstverständlich spielen auch Liebe und Sex eine Rolle. Es gibt mehrere Erzählstränge: Der des Protagonisten ist die Entwicklung eines scheuen und naiven jungen Mannes zu einer durch die Lebensumstände gereifteren Persönlichkeit. Der zweite Strang ist die perfide Ausnutzung persönlicher Schwächen und Interessen für eine Mitarbeit im Geheimdienst. Ein weiterer Strang offenbart die Scheinheiligkeiten im Innern dieser Geheimorganisation, deren Ziele moralisch verbrämt hinter den sogenannten westlichen Werten versteckt, nichts weiter als Wirtschaftsspionage und politische Einflussnahme sind."

Was möchtest Du bei Deinen Lesern erreichen?

Heinz Kulb: "Dass sie sich gut unterhalten. Und mit einem kleinen Hintergedanken: Dass ich vielleicht ein paar Denkanstöße geben kann."

Seit wann weißt Du, dass Du Geschichten schreiben kannst?

Heinz Kulb: "O je, in der Schule habe ich Gedichte geschrieben. Meist lustige und frivole. Das kam nicht immer an. Später kam dann das journalistische Schreiben für Zeitungen, Radio und Fernsehen dazu. Das waren gute Voraussetzungen für Stilfragen, wobei literarisches Schreiben wieder ganz was anderes ist. Viel lesen ist dafür eine Voraussetzung und ein wenig Talent. Aber ohne Phantasie ist alles nichts, gepaart mit einer Portion Fleiß und vor allem Durchhaltevermögen."

Wo holst Du Dir Deine Ideen?

Heinz Kulb: "Beim Lesen von Büchern und, ganz klassisch, aus Zeitungen, beim Fernsehgucken, in der Kneipe, in Gesprächen mit Freunden, in Archiven, im Bett oder auf dem Klo. Ein Beispiel: Im „Visitor“ habe ich mehrere Pralinen aus der Zeit vor 100 Jahren platziert. Als ich wieder einmal in der SLUB (= Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek) war, entdeckte ich bei der Recherche für einen Presseartikel eine ganz kleine Annonce, in der ein Kneipenwirt aus der Friedrichstraße in Dresden, dem die Frau davongelaufen war, alle Leser warnte (mit vollem Namen und Adresse!) seiner Entflohenen kein Geld zu geben, da er selbiges nicht erstatten würde. Daraus ist eine tieftraurige Geschichte über häusliche Gewalt entstanden."

Orientierst Du Dich an bestimmten Stilen erfolgreicher Autoren?

Heinz Kulb: "Nein, überhaupt nicht. Ich lehne es abauf fahrende Züge aufzuspringen, um noch einen Platz auf dem Tender zu ergattern. Wer etwas über meinen Stil erfahren möchte, der lese den Roman. Die besondere Fähigkeit meines Protagonisten ist übrigens nichts anderes als die Überspitzung meiner Art zu schreiben. Die Handlungen spielen in Dresden und in Köln, in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Und die Würzmischung besteht aus Realem und Fiktivem, aus Alltag und Philosophischem, aus Zeit- und Kulturgeschichte, aus Humor und auch Brutalem."

Welches sind Deine nächsten Pläne?

Heinz Kulb:"Momentan arbeite ich an Band Zwei. Dann gibt es Ideen für Bücher in anderen Genres."

Übrigens habe ich eine Lesung aus dem "Visitor" bei der Veranstaltung: TresenLesen am Mittwoch, den 8. März, 19.00 Uhr im Café 100 in der Alaunstraße 100 in der Dresdner Neustadt.

Vielen Dank und viel Erfolg.

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